Fehlzündungen

Meine Lieblingsmillennia bittet darauf hinzuweisen, dass man als Boomer nicht (ganz) unfehlbar sei. Das ist möglicherweise nicht ganz unrichtig, allerdings würde der Welt ohne meine Synapsen der zweifellos große Sangeskünstler Justin Timberland fehlen.

Nämlich.

Klärungsbedarf

Wie ich heute einer Schlagzeile eines Online-News-Portals entnehme ist es ja so:

Und Hausschweine? Fahren die raus an den See oder wie?

Alles wie immer, alles neu.

Wenn man den jungen Kollegen heute noch einmal lobt, warnt die Kollegin: “Dann hebt er ab.”

Was mich natürlich, wie jeden guten Boomer, dazu veranlasst, ihr den Link zu Tom Schillings Major Tom zu schicken (ab 0:45).

Was die junge Frau, noch keine 30 (aber bald) hiermit kontert:

“Direkt von Anfang an.” Sagt sie.

Was sagt das nun über Boomer und Millennials, dass ich ihrs kannte, sie meins aber nicht? Hmmm?

Heda, August, hergehört und aufgemerkt!

Richtig: T-Shirt und luftige Flatterhose oder Kleidle, Sandalen.
Ganz, ganz falsch: Unterhemd, Pulli, Anorak, lange Hose, Strümpfundschuh.

Richtig: 1 (in Worten: ein) Regentag zum Buchauslesen.
Supersonderextrafalsch: Mehr als 1 (in Worten: ein) Regentag en suite mit Thermometer auf Halbmast.

Merken und danach handeln. Ab morgen bitte wieder 30° (Celsius, nicht Zerfahrenheit) und dann weiter so. Ja?

Du möchtest doch nicht von der Frau flockblog geschimpft werden, oder?

Gelesen: Barbara Kingsolver – “Demon Copperhead”

Dank dieses sehr verregneten Tages habe ich den jungen Herrn Copperhead heute doch noch bis zum Ende seines aktuellen Lebensabschnittes (= des Buches) begleiten können und holla, the Forest Fairy – so begeistert war ich schon lange nicht mehr! Ich konnte die wenigen Male*, die ich in meinem langen Leseleben bei einem Buch zum Ende vorgeblättert und “gespickt” habe, lässig an einer Hand abzählen. Nun brauche ich zwei Finger, weil ich mittig so mitgenommen war vom Schicksal des Buben, dass ich eine Indikation brauchte, wie es ausgeht. Selbst das Wissen, dass Dickens’ “David Copperfield” Pate gestanden hat, reichte nicht. Man weiß ja nicht, was eine moderne Schriftstellerin mit dem Kind aus Appalachia (spezifischer Kentucky) macht. Auch und gerade, weil ich seinerzeit J. D. Vances Hillbilly Elegy mit einem gewissen faszinierten Ekel gelesen hatte und dem republikanischen Running Mate häufig der Vorwurf gemacht wurde, er betreibe LARPing – stelle also im Rahmen eines “live-action role-playing game” etwas dar, das er nicht ist. Nichts liegt Kingsolver ferner.

Sie schafft es, die Entwicklungsgeschichte des zu Beginn der Erzählung Zehnjährigen in seinen Worten zu vermitteln, was auch heißt, dass seine Sprache mit zunehmendem Alter einen größeren Wortschatz umfasst. Im Schicksal des Kindes spiegeln sich mehr als 200 Jahre amerikanischer Geschichte. Eine Geschichte des Kapitalismus, der Ausbeutung (https://www.youtube.com/watch?v=RRh0QiXyZSk), des Rassismus. In seine Zeit fällt zu allem Überfluss die Opioid-Katastrophe, die, wie eine Figur im Buch sagt, eine ganze Elterngeneration ausrottet. Aber eigentlich will ich gar nicht anfangen, einzelne Situationen hervorzuheben, wiewohl es viele Szenen gibt, die sich mir eingebrannt haben. Nur so viel: normalerweise schrecke ich vor Hypes zurück (“Over One Million Copies Sold”), in diesem Fall hoffe ich, dass die ganze Million, die das Buch gekauft hat, es nicht nur gelesen, sondern auch weitergegeben hat, damit noch mehr Menschen lesen.

Bitte lesen! Lesen! Lesen!

* Nämlich exakt ein einziges Mal, bei “Heidi” und dem Kapitel “Ein Gespenst im Hause Sesemann” und, zu meiner Entschuldigung, da konnte ich noch nicht sehr schnell lesen, weil ich höchstens acht Jahre alt war.

Noch nicht ganz ausgelesen: Barbara Kingsolver – “Demon Copperhead”

Ich fürchte, mein letztes Ferienwochenende wird nicht ganz reichen, um dieses sehr großartige Buch fertig zu lesen. Also vorerst nur drei Anmerkungen:

Erstens: Ja, der Jubel quer durch die gesamte Rezensentenschar ist mehr als gerechtfertig. Zweitens: Ich schließe mich bereits jetzt Kate Atkinsons Meinung an, die sagt, dieses Werk sei ohne Zweifel das beste Buch, das sie in diesem Jahr gelesen haben werde (Hach, Futur II, einfach was wunderbares).

Drittens: Lesen! Lesen! Lesen!

Mehr dazu, wenn ich durch bin. Was freue ich mich auf die Zeit, wo mich Erwerbstätigkeit nicht mehr von Lesemarathons abhalten wird. Triple-Hach!

Rentenratgeber*

Nicht, also wirklich in gar keinem Fall und überhaupt nicht am Samstagmorgen mit allen anderen Mitgliedern dieser Alterskohorte Lebensmittel einkaufen gehen. Außer Frühstückssemmeln. Die sind zulässig.

* Es handelt sich hierbei um eine neue Kolumne, welche in unregelmäßigen Abständen fortgesetzt werden wird.

Lebenslänglich lernen

Ich hatte ja schon früh immer gerne recht und wußte alles besser, altklug ist gar kein Ausdruck, mehr so uraltklug, und darum war auch mein erster Berufswunsch Lehrerin. (Man wurde hierzu in der ersten Klasse befragt und sollte, mangels Buchstaben, ein Bild malen. Meins sah aus wie eine sehr mißlungene Karikatur von Fräulein Gebhardt, einer ältlichen Jungfer mit einem dicken Dutt aus pechschwarzem Haar – soweit zum Thema Rollenvorbild.)

Wo war ich gleich? Genau. Im Lift. Mit Taschen und Tüten schwer bepackt. Dann gebietet es im allgemeinen der gute Stil, dass die danach eingestiegene Person mit den freien Händen den Stockwerkswunsch der Beladenen abfragt und dann auf den entsprechenden Knopf drückt. Die Dame sah mich auch fragend an, reagierte auf “Fünf, bitte” mit einem strahlenden Lächeln und der Antwort “Vier”. Hmmm. Eher unüblich. Ich wiederholte also mein Anliegen und sie deutete in einer langgezogenen Bewegung mit dem Zeigefinger auf die gesamte Knopfleiste und listete auf: Adin? Dva? Tri? Chityri? Piat?

Dann haben wir das noch einmal auf Deutsch wiederholt (wegen Lehrerinnengen) und ich bin schließlich mit einem Zwischenstop in Chityri nach Piat gereist.

Eigentlich wollte ich mich im Ruhestand auf meine Türkisch-Studien fokussieren, vielleicht böte sich aber wegen der aktuellen Besiedlung der Wohnanstalt doch eher Russisch an.