Gelesen: Ferdia Lennon – “Glorious Exploits”

Eine Handvoll Oliven? Brot? Käse? Gar Wein? Aber nur, wenn der hungrige gefangene Athener unter der brütenden Sonne im Steinbruch bei Syrakus aus Euripides’ Stücken zitiert. Vorzugsweise Medea, aber auch die Troerinnen wären recht.

Lennon siedelt seinen, ich nenne es mal Schelmenroman im Jahre 412 v. Chr. auf Sizilien an. Ich-Erzähler ist der Strizzi und Hallodri sowie arbeitslose Töpfer Lampo, der mit seinem Sandkastenfreund Gelon, einem Träumer und Theaterliebhaber, irgendwie auch den nächsten Tag wieder überlebt und die sich, wenn ein bißchen Geld übrigbleibt, einen Jux daraus machen, in den Steinbruch zu gehen und Kriegsgefangene zu trietzen.

Bis sie auf die Idee kommen, ernsthaft eine Aufführung zu planen. Mit Chor, Kostümen und Masken. Für Publikum. Mit interessantem Ausgang. (Ich will nichts verraten, daher der nichtssagende Begriff “interessant”.)

Ein großer Reiz des Buches liegt darin, dass die Sprache, in der Lampo erzählt, für unsere Ohren zeitgenössisch klingt, man hört sie so heute auf den Straßen Dublins und sie paßt zu dem halbseidenen Kerl und seiner Mannwerdung wie die Faust aufs Auge. Kompliment zu diesem gelungenen Erstling!

Lesen! Lesen! Lesen!

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