wir haben ausgeschlafen und San Bruno und Jürgen miteinander bekannt gemacht, den Leihwagen für diese Woche abgeholt (http://www.chevrolet.com/trailblazer – damit die Buben was zu spielen haben) und gehen heute mal früh zu Bett.
shop ’til you drop
Um Jürgen mit der Lieblingsfreizeitbeschäftigung Amerikas vertraut zu machen, haben wir heute den Versuch unternommen, die Gilroy Shopping Mall (http://www.premiumoutlets.com/outlets/outlet.asp?id=23) leerzukaufen. Obwohl wir unser Bestes gaben, zu dritt und insgesamt fast acht (!) Stunden lang, die Kreditkarten qualmten und der Kofferraum von Plastiktüten überquoll, hatten sie dort mmer noch Restbestände übrig. Ich werde zu Hause wohl zügig neue Wandschränke einbauen müssen oder gar das Gästezimmer in einen begehbaren Schrank umwidmen – aber was ich daür heute gespart habe ! Wahnsinn!
noch einmal Aufstehen…
und dann kommt mein erster Besuch.
Ich freue mich sehr!
Mögen viele viele viele folgen. Kommt ihr nur alle – ihr habt mir gerade noch gefehlt 🙂
Adults only
check it out:
Schnipsel III
- Ein Knast ist nicht mehr das gute alte County Jail sondern heißt heutzutage “State Correction Facility”
- Fry’s Western Electronic Store ist eine landesweite Kette, die günstige Elektrogeräte im Western Style anbietet. Das heißt, am Eingang sind pferdekopfbewehrte Pfosten, an denen man sein Reittier (sofern vorhanden) anbindet und im Store selbst stehen zwischen Motherboards, Hustler-DVDs und Staubsaugern überall große Cowboys und Mustangs und Cowgirls aus Plastik. Ich habe das Konzept nicht verstanden. Wahrscheinlich, weil ich schon als Teenie Pferdebücher doof fand.
- Bei der Präsidentenwahl werden den Wahlberechtigten außerdem “Proposals” zur Abstimmung vorgelegt, numerisch gekennzeichnet, wenn den Bundesstaat, mit Buchstaben, wenn die Kommune betreffend. Die lauteste Kampagne gab es von den Gegnern der “Prop 8”, welche vorsah, das Recht auf gleichgeschlechtliche Eheschließungen wieder zurückzuziehen;
http://en.wikipedia.org/wiki/California_Proposition_8_(2008). Die Ergebnisse dazu sollen bis Ende der Woche vorliegen.
Yes we can
Die Kollegen kommen später, weil sie wählen gehen, vor den Wahllokalen (zB einer umfunktionierten Feuerwehrzentrale) lange Schlangen und die Wartenden ein Querschnitt durch die Bevölkerung: alle Hautfarben, alle Alterklassen, alle Besitzstände. Es gibt auch den ganzen Tag nur ein Thema.
Und ich darf nicht mitmachen. Ein sehr seltames Gefühl.
Abends beim Einkaufen in Fry’s Western Electronic Store (dazu bei Gelegenheit mal mehr) springt auf einmal eine der Verkäuferinnen jubelnd und kreischend durch die Gegend. “He made it, he made it!” Sie war mittleren Alters und schwarz – wer da “he” war, war gar keine Frage.
Übrigens: ich revidiere zunehmend ein Vorurteil. Es gibt hier doch Nachrichten – einen wirklich guten Radiosender http://www.npr.org
Bei denen habe ich den Wahlabend verfolgt und einige Lehrstunden in politischem Journalismus genossen.
Video
Danke allen, die mir das personalisierte Video geschickt haben, demzufolge meine nicht stattgehabte Wahlbeteiligung den Sieg McCains mit einer Stimme Vorsprung ermöglicht hat – ich hätte nie erwartet, meinen Namen so oft auf dem Titel der New York Times zu sehen.
Bloß: I didn’t do it. Ich darf ja gar nicht. Habe aber heute morgen schon mit Spannung und Faszination die Schlangen vor den Wahllokalen gesehen.
Schau ma moi.
Jetzt sagt Delphine dem Kaliber, wo’s langgeht
Nein, nein, keine Sorge: ich werde nicht wunderlich in der Ferne. Zumindest nicht mehr als angemessen.
Toni hat seine kleine (TomTom)-Französin Delphine getauft (oder Veronique, da ist er sich noch nicht ganz schlüssig). Und wir haben gestern den Prius schweren Herzens (das gute Stück hat in einer Woche gerade mal für 20 Dollars Benzin gebraucht) gegen einen Dodge Caliber eingetauscht. Deswegen sagt Delphine jetzt dem Caliber, wo es langgeht. Caliber ist ein 2008er amerikanisches Modell: Keine Zentralverriegelung, keine elektrischen Fensterheber, keine elektrische Außenspiegelverstellung – aber der Sound, der ist echt Motown. Der Spritverbrauch wird wieder steigen.
Den Sonntag haben wir weitgehend häuslich verbracht; es war schon wieder so sonnig, dass wir im Garten frühstücken konnten. Nachmittags gab es Open Houses: das erste in San Mateo. Ein One-Bedroom-Apartment mit Parkettboden auf der Bel Etage eines Fast-Noch-Art-Deco Hauses aus den Dreißigern, rundum von schattenspendenden Bäumen zugewachsen. Die Wohnung frisch gestrichen, mit einer Küche aus den Fünfzigern (sogar noch ein in die Wand integriertes Bügelbrett) und alle anderen Installationen wie Armaturen, Heizsystem, Gegensprechanlage ziemlich original Dreißiger Jahre.
Ich fand die Wohnung ganz nett, wenn auch zu dunkel. Toni war sie zu alt, ihm steht der Sinn nach Modernerem. Also haben wir uns in Belmont mal die größeren Appartmenthäuser angesehen. Fenced Appartements mit Wachmann und Swimming Pool, Tennisplätzen etc. Fast überall waren Wohnungen zu haben, das wird sicher das Projekt für die Feierabende dieser Woche. Belmont liegt sehr steil am Berg und der Weg in die Schlucht ist eine Sackstraße, die rechts und links von identisch aussehenden Häusern mit brustzuckerrosafarbenem Außenanstrich gesäumt wird. Die Straße mündet in das Hidden Valley und dort ist der Trailhead für den Hidden Canyon. Ich fand das sehr unheimlich. Wahrscheinlich zu viele Filme gesehen, aber die Stepford Wives waren doch arg präsent.
Zurück zur Natur: Eine sehr beeindruckende Schlucht ist das, dicht bewaldet, wobei die Laubbäume alle schon blattlos waren. Ein mittelgroßer Stausee (hieß irgendwie so ähnlich wie “Dead Dog Reservoir”) mittendrin, mit einem grundhäßlichen Betondamm. Einmal Drumrumradeln mit dem Mountainbike sind ziemtlich genau 8 Meilen. Dieses Naherholungsgebiet und seine Erhaltung waren die Auflage, die der Bauherr der Villen am oberen Rand seinerzeit erfüllen mußte. Ich kenn mich aus, was? Tja, da war noch ein Open House. Eigentlich eine Kauf-Immobilie, aber wo wir gerade schon dabei waren… Huiuiui, ist das ein Eigenheim (wird auch für eine knappe Million hiesiger Dirhams angeboten)! Doug und Evie, die das Haus jetzt aufgeben, weil ihnen die Gegend langsam zu “crowded” wird, führten durch ihr im kalifornischen MultiKolonial-Stil eingerichtetes Domizil. Drei Schlafzimmer, alle mit vollen Bädern (d.h. Toilette, Waschbecken und Badewanne), noch 2,3 halbe Bäder (also mit nur Dusche), Wandschränke, in denen selbst meine Mutter all ihren Kruscht unterbrächte. Eine herrliche Küche, riesig, intelligent eingerichtet und insgesamt 3 Terassen – alle direkt über der Schlucht und sehr geräumig. Mit einer Zisterne auf dem Dach, und der Option, im Bad noch ein nettes Jacuzzi einzurichten oder ein Hot Tub auf einem der Decks. Einer selbst (sehr schön) geschreinerten Bar und vielen anderen Gimmicks wie Treppenunterschränken und dergleichen. Oder auch mal eine zweimannhohe geschnitzte Giraffe, ein Schränkchen, in dessen Zentrum Kali saß und an jeder ihrer Hände ein Schublädchen balancierte. Oder auch die Kommode mit den zebrafellbezogenen Schubladengriffen. Alles allerliebst.
Wir werden es nicht nehmen. Hat keinen akzeptablen Anschluss an den Öffentlichen Nahverkehr.
Bildsche
nachdem wordpress es mir so konsequent schwer macht, Bilder in den Blog hochzuladen, gibts die in Zukunft von der Konkurrenz.
Wer also außer lesen noch gucken mag, der/die gucke hier:
http://picasaweb.google.com/mucbiene
Kommentare willkommen. Hochwillkommen.
Und das ganze wird natürlich fortgesetzt.
It pours, man it pours
Mann, hat das heute geschüttet! Das ist wohl, was man unter sintflutartigen Regenfällen versteht. Ich muss morgen in den Garten gehen und überlegen, welcher Baum zu fällen sei, um mit dem Bau meiner Arche zu beginnen. Carmen von nebenan hat mir erklärt, dass hier unter jedem Haus eine Pumpe sei, die man bei Regen dieser Art in Betrieb nehmen müsse. Es hat irgendwie mit dem Grundwasserspiegel und der Bauweise der Häuser zu tun (hab ich nicht genau verstanden). Pumpe man nicht in die Kanalisation, würden Garten und backyard geflutet. Das muss ich mir von Bob bald erklären lassen, die Information fehlte bei der Anmietung.
Den Wassermassen trotzend, sind wir nach Fairfax aufgebrochen um dort Veronica zu treffen, eine Maklerin wie aus dem Bilderbuch (mittleren Alters, sehr gepflegt, hohe Hacken). Veronica ist mit der Vermietung der Oakpark Appartments betraut und Toni hatte einen Besichtigungstermin mit ihr vereinbart. Die Straßen (selbst in der Stadt) haben viele Schlaglöcher und erst, wenn man durchfährt, weiß man, wie tief – man geht offensichtlich in Kalifornien davon aus, dass die paar Tage Regen im Jahr ebenen Straßenbau nicht lohnen und es vollkommen reicht, ein Blinkeschild an den Straßenrand zu postieren. Das sagt dann “Caution: Roadway is slippery”. Eine heftige Untertreibung – man schwimmt dahin und wünscht sich, Priüsse würden serienmäßig als Amphibienfahrzeuge produziert. Ich war so froh, dass ich nicht fahren musste. Trotz Scheibenwischern auf Höchststufe gab es manchmal vor lauter Wassergüssen von oben, unten und den Nebenfahrzeugen überhaupt keine Sicht. Dieses Mal war die Unterbodenversicherung im Versicherungspaket inklusive, wir haben sie zwar nicht gebraucht, aber es war beruhigend, darum zu wissen. Ich habe zum ersten Mal die Golden Gate Bridge im Nebel (und Regen) gesehen – schon verrückt, wenn man weiß, dass es noch einen nächsten Brückenpfeiler gibt/geben sollte und ihn erst erkennt, wenn man direkt drunter ist.
TomTom hat uns geleitet (noch mal vielen Dank dafür), es ging in Richtung Eureka (!), und wir kamen, leicht verspätet, heil in Fairfax an. Veronica war eher verblüfft, dass wir gekommen sind (sie hätte bei dem Sauwetter an unserer Stelle den Termin platzen lassen). Sie hat zwei Wohungen gezeigt und wurde leicht ungehalten, als Toni auch noch die dritte sehen wollte, denn das hieß: nochmal durch den Regen und die tiefen Pfützen auf dem Parkplatz.
Ich war inzwischen bis auf die Haut durchnäßt und entsprechend unleidig. Also haben wir uns erst mal einen Coffee Shop gesucht, etwas Heißes getrunken und dabei ein Konzert zweier Damen angehört, die die Dixie Chicks coverten. Wieder etwas aufgewärmter sahen wir uns kurz Fairfax an, aber nasse Sädte haben einfach keinen großen Reiz. Wurscht, ob Paris oder Fairfax. Doch es gab einen Schnapsladen und die verkauften Wein ohne ID. Urteil revidiert: Doch ein nettes Städtchen.
Weiter gings – wir haben TomTom gebeten, eine landschaftlich schöne Route zu suchen und sind auf dem Highway Number One gen Mill Valley aufgebrochen. Eine herrliche Strecke, durch Hügel und Wälder – wie schön muß das erst sein, wenn die Sonne scheint! In Mill Valley hätte es noch eine Wohnoption gegeben, zwar ohne Termin, aber mit “vielleicht mal über den Zaun gucken”. Es hat so sehr geschüttet, dass wir uns eigentlich nur den Zaun angesehen haben – das Haus lag aber auch in einer Gegend, in der man nicht tot über diesem oder einem anderen Zaun hängen möchte. Nichts, außer einem Seven/Eleven und einer Video-Production-Company, die anmutete wie der Original-Drehort von “8 MM”. Ich glaube, da zieht er nicht hin.
Über die Richmond-San Rafael-Bridge haben wir uns auf den Heimweg gemacht. Rechts und Links der Pazifik in Matschegrau, über uns der wolkenschwere Himmel, gleicher Farbton, und überall nur Wasser. Mann, war das ekelig. Hätte ich nicht noch vorausschauend eine trockene Fließjacke im Auto gehabt, möchte ich mir meine miese Laune (kalt, naß, hungrig) gar nicht ausmalen müssen. Sofern es Landschaft gab, war sie naß, überall, von den Hügeln, den Häuserwänden, den Fahrbahnrändern mutieren Rinnsale zu reißenden Strömen – und das hatte Carmen morgens noch “light rain” genannt. Ich bin ja mal gespannt. Auf dem Einkaufszettel stehen seitdem: Gummistiefel, Südwester mit Nackenschutz und eine lange Regenjacke mit herausknöpfbarem Futter.
Das Haus scheint fürs erste wasserdicht zu sein. Immerhin.
Am Abend hatten wir viel Spaß dabei, TomTom zu programmieren. Die Standardstimmen, “Werner” und “Lisa”, sind grauselig. Ich favorisiere sehr “Abduls” Ansagen, könnte mich aber auch mit “Richard” anfreunden (very British), Toni hat sich bereits für “die kleine Französin” entschieden. TomTom ist auf jeden Fall im Vergleich zu Shirley eine ungeheure Steigerung und wesentlich mehr willens, zu tun, was ein Navigationsgerät tun soll. Und nicht einzuschnappen und schmollend zu schweigen. Das Kartenmaterial ist auf dem neuesten Stand; Jürgen kann also am Freitag kommen und Kalifornien entdecken. Ich bin gespannt, was der Zoll zu den paar Pfund Pfefferminzteebeuteln in seinem Gepäck sagen wird. Die hatte ich mir sehr gewünscht, der hiesige schmeckt nämlich nach Spearmint und damit nach Raumspray oder Klosteinen.