Dufternder Fluss,

Tempel, Graeber, Vietnamesen… macht euch auf Unmemgem von Bildern und viel zu erzaehlen gefasst – und es ist gerade mal ein Drittel der Reise rum…

Froehliche Weihnachten allerseits!

Heil in Hanoi

…angekommen und ueberwaeltigt von voll und laut und alles ganz neu und anders. War heute im Ho-Chi-Minh Mausoleum: der einbalsamierte Leichnam ist frisch von der jaehrlichen Generalueberholung aus Moskau zurueck. Es war sehr beeindruckend zu sehen, wieviele Menschen diese Pilgerfahrt auf sich nehmen: Schulklassen, die muessen und Veteranen, die ihrem alten Kampfgenossen Tribut zollen. Es gibt schon jetzt so viel zu erzaehlen, nur leider nicht gerade jetzt: ich muss packen, morgen geht es in die Berge.

Gehabt euch wohl.

nur noch 25 Stunden…

dann hebt mein Flieger ab.

Ich wär ja jetzt schon bereit… (Rucksack gepackt, und kleine Türmchen drumrum aufgestellt, mit Dingen, die mir doch noch eingefallen sind und noch reinmüssen). Nun hab ich noch 25 Stunden zum Vorfreuen und vielleicht doch endlich mal einen Blick in den Reiseführer werfen…

Reisefieber

Gestern habe ich meinen Schreibtisch ordentlich aufgeräumt, mich von den Kollegen verabschiedet, heute pack ich, morgen flieg ich und übermorgen bin ich in Hanoi. Ist das nicht herrlich? Es macht mir gerade richtig Spass, meine Klamotten zusammenzusuchen, mir Gedanken über die richtige Reiselektüre zu machen und mich dabei gründlich vorzufreuen…

Ob ich wohl Colonel Kurtz treffen werde?

Boy’s Toy

Morgensonne, Zigarettenpause – Robert hat mir eben eine Produktdemo seines neuesten Gadgets gegeben: ein portables Radio in schwarzem Plastikgehäuse mit folgenden Zusatzfeatures: Taschenlampe, Neonleuchte, Alarmlicht (rot, in unterschiedlichen Intervallen blinkend), Alarmsirene sowie Digitaluhr. Wie er findet, ein Must-have. Er habe es für 6 Dollars gekauft, und werde heute Abend 50 weitere erstehen und dann in den Vertrieb einsteigen, für 15 bucks das Stück. “I might even sell ’em on-line.” Good luck!

“Because, y’know, I am a salesman; I can make fivehundredthousands of Dollars out of it!” Zum Beleg, wie gut seine sales-skills seien, hat er mir folgende Geschichte erzählt (hier ins Deutsche übertragen):

Da war diese Frau aus Santa Barbara, jung und reich. 400 Dollar-Schuhe. Sie wollte wissen, ob ich wirklich so gut bin als Verkäufer wie man ihr zugetragen hatte. Also fragte ich sie: “He, Lady, wie teuer waren Ihre Schuhe” (“what did ya pay for ’em shoes?”). “400 Dollar.” “Das glaube ich nicht, die muss ich mir ansehen…” (“No way, man, gotta see ’em.”) Also zog sie die Schuhe aus und gab sie mir. Beide. Das war mein Moment: ich fragte sie also, wie sie beweisen wolle, dass das ihre Schuhe seien, wenn man jetzt vors Gericht ginge. Ihr war klar, dass sie das nicht können würde und sie sah mich fragend an. Ich bot ihr an, sie zurückzukaufen: “Wanna buy ’em niiice shoes? What’s ya price?” – und sie lachte und sagte “du bist ein guter Mann, Robert, du hast den Job.”

pick of the day

“YOUR FAVORITE BAND SUCKS”

ist zu lesen auf dem T-Shirt des Obdachlosen, der sich auf dem Gehweg gegenüber vom Büro gerade laut schnarchend ein sonnenbeschienenes Vormittagsnappy gönnt.

Reverend “The Prophet” Peter Popoff

hat heute einen Brief an “Sister Garcia” geschickt, die er unter meiner Adresse vermutet. Reverend P. sieht aus wie ein Gebrauchtwagenhändler, der auf Fernsehprediger umgeschult hat – das weiß ich, weil er ein Bild von sich mitgeschickt hat. Ich halte das nicht für spendenfördernd, er schon. Da sieht man mal wieder, wie sich doch Fremd- und Selbstbild oft unterscheiden.

Peter will Sister Garcia helfen. Dazu schreibt er ihr auf vielen eng bedruckten Seiten. Er weiß, dass die Mietzahlungen sie drücken, dass in der Familie manchmal Dinge im Argen liegen, dass sie möglicherweise nicht bei bester Gesundheit ist und sich auch noch Sorgen um den Arbeitsplatz machen muss, in Zeiten wie diesen. Kann er alles wegbeten, schreibt er. Aber Sister G. muss auch was dafür tun: zum einen ganz fest glauben, dass er den direkten Draht zu Gott hat und zum zweiten das goldene Beutelchen im Scheckformat mit einer großzügigen Spende befüllen und im vorbereiteten Rückumschlag zurücksenden (er würde das Porto auch zahlen, hat aber nix dagegegen, wenn Sister Garcia zu ihrer Gabe noch eine Briefmarke oben drauf legt, dann bleibe ihm mehr übrig. Für sein gottgefälliges Werk, sagt er).

Prophet P. hat gleich antizipiert, dass das Spendenbeutelchen an ihn zurückgeschickt wurde und einen weiteren Brief hinzugefügt, zu öffnen, drei Tage nachdem Sister Garcia das Goldtütchen geschickt habe. Darin ein weiteres Pamphlet des Inhalts, dass er schon richtig feste gebetet habe und Gott ihn wissen ließ, dass es Sister G. gar nicht gut gehe – aber auch, wie dieser Zustand zu ändern sei. Deswegen liege nun dieser Sendung ein “heilender Handschuh” bei (billigste Fernostplastikware, eklig anzufassen). Den möge sie auf schmerzende Stellen auflegen (nur auf eine und nur für eine Nacht) und mit Gebeten/Lobpreisungen und gerne nochmal ordentlich Geld befüllt zurücksenden. Er werde denn Handschuh gründlich bebeten und dann würden Schmerz und Not aus ihrem Leben verschwinden.

Des weiteren soll sie Namen nennen. Die von Familienmitgliedern. Und ihre genaue verwandtschaftliche Beziehung zu ihnen. Ich habe nicht zu Ende gelesen, ob er die dann auch heilt oder vom Erdboden verschwinden läßt oder in seinen Bettel-Kettenbrief-Verteiler aufnimmt.

Ich hoffe aber, bald wieder von ihm zu hören, er hat uns ein paar sehr heitere Minuten geschenkt.

noch 2 x Aufstehen…

und dann ist Wochendene – am Sonntag um kurz nach Mitternacht gehts los: via Taipeh nach Hanoi. Ich freue mich sehr vor, wiewohl ich weder den Reise- noch den Kauderwelsch-Sprachführer bis dato eines Blickes gewürdigt habe. Macht nix, ich werde so unendlich lange unterwegs sein, da komme ich bestimmt zum Lesen. Erste Station ist das Hotel Volga (ist das nicht außerordentlich hübsch)? in Hanoi. Die haben mir heute geschrieben, dass sie mir für 25 Dollars einen Fahrer an den Flughafen schicken – bequemer geht es gar nicht. Montag am späten Vormittag bin ich dann da. Keine Vorstellung ob und wie ich mich von unterwegs melden kann und will, ihr werdet es gewahr werden, wie meine Oma zu sagen pflegte. Heute bin ich für mehr Geschichten schon wieder viel zu müde, außerdem seid ihr auch mal wieder mit Schreiben dran. Nämlich.