Es war nicht einfach. Aber… Wir sind die Gewinnerinnen der “Fichtenwald-Late-Night-Challenge”. Ich würde so gerne davon erzählen, wie ich in der Bibel auf dem Nachttisch Rat und Trost gefunden habe. Allein, bei Carola im Haus ist die heilige Schrift ein Ratgeber der Autorin Heike Holz (Nomen est Omen – eine Heike Haberstroh hätte es im Hotel Fichtenwald nicht neben die Betten geschafft). Ich lerne: Nicht etwa Red Bull, neihein, “Glücklichsein verleiht Flügel”. Wie das im Einzelnen geht, wird in Kapiteln mit Titeln wie “Knips dein Licht an”*, “Was sagt mein Bauch dazu?” und, anatomisch rätselhaft, “Mit vier Ohren hören” erläutert. Nein, das mach ich wieder zu. Von sowas bekomme ich sicher Alpträume.
Selbst sind die Frauen. Hah! Schraubella, die Mörderschiffschraube (Arbeitstitel), halten wir durch einen irre geschickten Trick davon ab, uns in kleine Teile zu zerlegen. Einfach den Schalter nicht angeknipst, jaha. Gewußt wie. So vermeidet man, zum Beispiel, auch Atomkriege, nur falls es wen interessieren sollte. Das klistierförmige Salzstickmodul mit dem eigenartigen lila Wabbelkern unterhalb der Mischbatterie in der Duschkabine konnte uns nichts tun, weil wir, einen ganzen Tag im Thermenjuwel (doch, so nennen die das) mit umpfzich Becken innen und außen vor uns habend, dem Ding einfach fernbleiben. Und dass Carola den ganzen Garten unter Strom setzt und die halbe Nacht mit Blitzelichtern herumzuckt, ist uns gerade mal ein Wegdrehen wert – und wuppdich: Es ist Morgen und die Challenge bestanden. Siegerehrung, Medaillen, the whole shebang. Drum erzähle ich jetzt auch nix mehr von Carolas Frühstücksspezialitäten, weil: Wir sind hier schließlich nicht zum Spaß, sondern zwengs Wellness. Auf in die Therme.
Huiui. Riesenparkplatz. Rieseneingangsbereich. Schilderwälder, die die Richtungen zu Badebecken, Rehamaßnahmen, Ärzten, Shops (Bade- und Freizeitmoden im Ausverkauf, aber wir widerstehen), noch mehr Gesundheit, Wohlfühlen, Massagen, Aroma, Fango, Tango, Salsa, Walzer… aber halt, mir gehts schon wie der KI, ich halluziniere. Wir sind drin und schauen auf Spindmengen, die eine durchschnittliche Kaserne vor Neid erblassen lassen müssen. Und das ist nur die erste von drei Etagen.
Meine Herren! Und Damen! Sowie alle anderen!
Nun muss ich gleich einmal eine Lanze für Einrichtungen dieser Art brechen. Hier sind alle Sorten Mensch vertreten: groß und klein, dick und dünn, alt und jung, turnschuhfit und rollatorgebrechlich, dunkelgebräunt und winterbleich, viel und wenig Haare auf Kopf und/oder Körper – alle Gegensatzpaare, die einem einfallen und alle Varianten dazwischen. Alle sind sie gekommen, um es sich nach dem kalten Winter in der Frühlingssonne wohlergehen zu lassen. Sonst nix. Alle tragen wenig kaschierende Badekleidung (noch. Wenn sie (und wir) erst mal im 3. Stock im Saunabereich sind, sind alle nackig). Und es ist wurscht. Jeder läßt jeden sein, wie er ist – das Badehaus als moralische Anstalt. Leben und leben lassen. Holla. Scho sche.
Wir brauchen einen Moment, die irre Größe der Außenanlage und Becken an Becken an Becken zu erfassen, fangen aber dann mal im Strömungskanal an und es ist herrlich. Das Wasser knackewarm, die Sonne auch, nur die Nase bleibt kühl. Dicke Düsen von den Seiten geben uns gelegentlich einen ordentlichen Schub und dann treiben wir ein bißchen schneller bis wir wieder im Rhythmus des Stroms wie die Korken herumpoppen, hach! Sehr sehr hach! Nach ein paar Runden entdecken wir die Sprudelbänke (unten in rot) – was ein Spaß! Aus vielen Düsen strömen Luftbläschen und neben dem Massage- haben sie einen Dolly-Buster-Effekt. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie so eine Oberweite, bin nicht sicher, ob Doppel-E ausreicht, sie zu beschreiben. Hah! Als ich mich wieder dem Strömungskanal anvertraue, muß ich ein paar Mal feste drücken, bis sich mit einem langgezogenen Furzgeräusch meine Größe wieder manifestiert. Schö-ön! Nochmal!

Als nächstes lassen wir uns einen, zwei, drei Pools weiter im schönen warmen Salzwasser durchbritzeln (so sollte das Meer immer und überall sein) und dann finden wir einen 36° warmen Sprudelpool – in dem könnte ich einziehen. Werde aber irgendwann (ob nach Minuten, Stunden oder Tagen weiß ich nicht, kann mich mit solchen Nebensächlichkeiten wie dem linearen Fluß der Zeit wirklich nicht aufhalten, muß sprudeln) mit Nachdruck aufgefordert, jetzt (jetzt!) rauszukommen, weil ich schon fast in Schwimmhäuten eingewachsen sei. Pfffhhh. Dann halt. Aber nicht gern. Muss aber, weil wir müssen jetzt saunen (ist im Voraus bezahlt).
Ab in den 3. Stock und wieder erschlägt einen die Auswahl. Was sollen wir bloß als erstes tun? Wir finden ein hübsches sonnendurchflutetes Eckchen im Ruhebereich, entledigen uns unserer nassen Badekleidung und fangen mit dem Osmanischen Badetempel an. Hach! Danach erlebnisduschen, mit allen Farben des Spektrums und umpfzig verschiedenen Wasserstrahlstärken- und temperaturen. Ganz schön anstrengend, aber inzwischen habe ich den Dachgarten gefunden und wir legen draußen ein Päuschen ein. Und dann müssen wir schon wieder los, Kaffee trinken. Viel mehr schaffen wir nicht. Hut ab vor den Dauergästen, die hier Tage am Stück verbringen. Müssen eine Super-Kondition haben, diese Herrschaften.
Wenn ich eins gelernt habe: Wellnessen ist nix für Schwächlinge.
* “Knips dein Licht an” ist im übrigen eine “Methode”, die Frau Holz höchstpersönlich erfunden hat und auch lehrt. Ich persönlich verwende ja hierfür ohne jede Ausbildung intuitiv Lichtschalter, aber jeder wie er mag.