Der Feind meines Feindes ist mein Freund

Während man nicht jünger wird, wird die Erinnerung an die Zeit, in der man mal jünger war, wieder klarer.

So, nach dieser Binsenweisheit zum eigentlichen Thema, dem Häher.

Häh? Man lasse mich ausholen: Es begab sich zu einer Zeit, als die Hausaufgabe über die Weihnachtsferien darin bestand, einen bebilderten Aufsatz (fragt Oma) zum Thema “Wer kommt zum Vogelhäuschen?” zu erstellen. Damals, in den dunklen smartphonelosen Tagen (fragt Oma), bedeutete “Bebilderung” das Anfertigen eigener Zeichnungen per Hand (fragt Oma) mit Farbstiften (fragt Oma). Hinzukamen kurze Berichte über jeden Vogel mit Füller in Schreibschrift (fragt Oma) auf vorher mit Bleistift und Lineal (fragt Oma) sorgfältig gezogenen Linien, die, wenn die Tinte trocken war (fragt Oma) wieder ausradiert (fragt Oma) wurden. Die einzelnen Blätter wurden gelocht (fragt Oma) und in einen Schnellhefter geheftet (fragt Oma) und mit nicht geringem Stolz bei Fräulein (fragt Oma) Gebhardt mit dem schwarzen Dutt abgegeben.

In der Stunde, in der die benoteten (fragt Oma) Arbeiten zurückgegeben wurden, schleppte Fräulein Gebhardt ein schweres Tonbandgerät (fragt Oma) in den Raum. Die Schülerinnen und Schüler, die in ihren Augen das beste Bild des entsprechenden Vogels gemalt hatten, durften nach vorne kommen und es der ganzen Klasse zeigen und Fräulein Gebhardt spielte dazu eine Aufnahme des dazugehörigen Vogelgesangs.

Deswegen weiß ich, dass der Brüllvogel, der mich heute aus dem Schlaf gelärmt hat, ein Häher war. Ich kann nur hoffen, dass er sich, gerne mit Familie, hier im Innenhof ansiedelt. Wenn schon sonst nichts hilft: ein ordentlicher Raubvogel dürfte den Paloma-Kack-Geschwadern Einhalt gebieten.

Ko-omm, Häher, Häher. Ko-omm!

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