Noch graut der Morgen nicht so recht, aber der Muezzin ruft zum Morgengebet und ich muss auch raus, weil zum Pauschaltourismus gehört, dass immer alle alle Eventualitäten einplanen, also falls der abholende Bus zu spät dran wäre oder in einen Stau geräte oder ein anderer Tourist es nicht rechtzeitig schaffen täte oder die Straße zum Flughafen gesperrt oder der Flughafen verlegt worden wäre oder… und außerdem besteht die Airline darauf, dass ihre Passagiere drei Stunden vor Abflug da sind, falls irgendwas am Flughafen wäre. Um vier Uhr morgens habe ich dazu keine Meinung, sondern bin zu spedierendes Gut. Mehr Hirn ist noch nicht.
An den tiefschlafenden Straßenhunden vorbei (ja, so früh ist es noch!) sammelt der Bus die anderen Deutschen ein (auch beim Rückflug immer die ersten), passiert den Sund auf dem allerliebste Flamingotretboote in allen Farben des Regenbogens im roten Licht des Sonnenaufgangs (immerhin geht die jetzt auch mal auf) schaukeln und erheitert die Bierdosenjungmänner im hinteren Teil des Busses mit dem Hinweisschild auf das Hotel “Al Baracka” (“so sollten die hier alles nennen”) und dann rutscht die schlaftrunkene Truppe durch Security, Passkontrolle, Check-in und Gepäckaufgabe zu Gate 1. Noch weit über zwei Stunden bis Abflug, aber es gibt ein Café. Ich habe, obwohl der Export der Landeswährung strengstens verboten ist, vorausschauend noch ein paar Dinar aufgehoben, nun aber. Nix da, erst mal müssen Influencers ihre Energydrinks (Klischee, aber was will man machen) mit ihren Smartwatches bezahlen (das dauert, man möchte in ein paar Jahren nicht deren seltsam verrenkten Handgelenke behandeln müssen). Meine Dinare werden mittelfreundlich weggelächelt, “Euro only at the airport”. Immerhin, der teuerste Kaffee Tunesiens schmeckt und jetzt sind es nur noch unter zwei Stunden bis Take-off. Zeit genug, der Flughafenkatze dabei zuzusehen, wie sie die Flughafenschwalben nicht erwischt.
Der Flug ist nicht ganz voll. Discover, eine der Lufthansa-Billig-Airlines, verdient sich trotzdem ein goldenes Näschen am Bordverkauf von schlechtem Kaffee, Häppchen und Discover-Devotionalien. Umsonst gibt es nur noch ein urinprobengroßes Becherchen mit Wasser ohne Sprudel. Aber wurscht, der Flug dauert nur ein bißchen über zwei Stunden, kaum ist die Reiseflughöhe erreicht, beginnt auch schon der Landeanflug. Leuchtende Rapsfelder markieren den Weg zur Einflugschneise, da, die Ruderregattastrecke und bummsti, die Räder berühren den Boden. Es scheint die Regel zu gelten, dass, wer billig fliegt, gerne ein paar Schritte zu Fuß geht und so dauert der Weg zum Gepäckband (inklusive einer Zugfahrt) doch fast eine gute halbe Stunde. Außerdem gibt es noch eine Stunde Aufschlag, weil Tunesien den Schwachsinn mit der Zeitumstellung nicht mitmacht. Zieht sich alles ganz schön, bis endlich meine Haustür aufschließe. “Reisen” kann man dieses Transportiertwerden nicht nennen.
Daheim sind die Temperaturen gerade mal halb so hoch, wie ich das jetzt gewöhnt bin, das wollen wir bitte schleunigst ändern. Ansonsten hätte ich jetzt gerne einen schönen langen bayerischen Sommer, der blühende Flieder aller Orten ist schon ein guter Start. Lob!