- Ich muss eine “Sprich-sie-an,-die-kennt-sich-aus”-Ausstrahlung haben, dass alles zu spät ist. Lästig ist das. Dabei rede ich mit keinem, der mir nicht ein Getränk beschaffen soll.
- “Hoffentlich winselt der hier morgen nicht schon wieder. Da vergeht einem ja der Spaß am Essen”, beschwert sich der Neuankömmling bei seiner Gattin. “Nein, mein Herr, tut er nicht”, könnte ich sagen, wenn ich denn eine Auskunftei wäre. “Der arme Kerl muss am tunesischen Abend in traditioneller Kleidung traditionelle tunesische Weisen zur Oud vortragen. Immer montags.”
- Die Mehrzahl der französischen Touristinnen geht abends aus – und wenn es in den bahnhofshallengroßen Speisesaal ist. Hohe Hacken, Cocktailkleidchen, frisiert, angemalt und mit großem Schmuck. Ihre deutschen Schwestern tragen eher koffertauglich bequem-praktisch-bügelfrei. Die Mutigen greifen zu Birkenstocks mit Straßsteinchen.
- Eine überraschend große Anzahl von Männern aller Altersgruppen trägt eine Art Spielanzug mit knapp über knielangen Shorts und weitem Flatterhemd in papageienbunt. So was habe ich das letzte Mal auf der Bühne des Volkstheaters gesehen. Als Kostüm.
- Manchmal beneide ich sie fast, die unbeschwerten Mitmacher, ob beim Volkstanzlernen oder Boule oder für lustige Bilder posieren oder oder oder. Aber dann denke ich mir meinen Kästner – “es muss auch Zuschauer geben” – und bin lieber doch nur für die Chronik zuständig.
- Er gehe ja jeden Morgen, wenn seine Frau im Bad herumtrödle, “das Handtuch werfen”. Das ist die netteste Formulierung, die ich je für die Unsitte des Liegenreservierens gehört habe.
- “Du darfst mich nicht seitlich nehmen. Nur von vorne.”, klingt die schrille Damenstimme durchs Cafe. Als ich etwas irritiert von meinem Buch aufschaue, sehe ich den so angewiesenen Herrn mit dem iPhone hantieren. Kombiniere: es geht um die Schokoladenseite.
- “Ich lese ja nicht. Das macht bei uns meine Frau”, erklärt ein Herr, ohne jede Scham. Lektüre ist bei denen ein Element der Arbeitsteilung, wie Autowaschen und Müll wegbringen. Soweit zu mir und meinem Elfenbeinturm.
- Dasselbe Paar, nun spricht sie: “Ich sage ja immer, man sollte mehr ins Theater gehen. Aber dann ist wieder ein Jahr um, und es hat wieder nicht geklappt.”
- Fusseliger Schnauzer, der schon beim Ansehen piekst, dünnes Pferdeschwänzchen, ekliger Typ. Er, erklärt er der an seinen Lippen hängenden Runde an seinem Tisch, er müsse alle zwei Monate ans Meer. Sich wieder Energie holen. Nur deswegen sei er als Heiler so erfolgreich. Ja mir gehst weida.
- “Sie müssen hier (gemeint ist Djerba) nix kaufen”, belehrt mich gänzlich unaufgefordert eine Dame. “Wir kommen aus NRW. Da jibbet dat all beim Türken.”
D’Leit (es hört nicht auf)
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