Ich hab in letzter Zeit viel sehr schwere Literatur gelesen (die Rezension dauert noch a weng) und brauchte jetzt mal was ganz anderes. Diese Schnurre (dieses sehr altmodische Wort passt ganz genau zum Stil der Übersetzung von Ulrich Blumenbach, der einen wahren bunten Strauß an obsoleten Wörtern darreicht) über einen Spion Ludwigs des XV. in London, der aber auch Dragonerhauptmann ist und Hofdame am Zarenhof in Sankt Petersburg war, ist so lieb und nett und freundlich und im besten Sinne harmlos – genau das richtige für einen Nachmittag auf dem Balkon, wo’s ohne Sonnenschirm nicht gegangen wär. (Und das genau eine Woche, nachdem da unten noch 20 cm Neuschnee lagen.)
Nur damit ihr ein Bild bekommt: Der “Vorspruch” beginnt mit den Worten: “Ich betrachte Sie in Ihrem seltsamen Jahrhundert mit Verwunderung. Zweihundertfünfzig Jahre nach meiner Zeit glauben Sie offenbar, Sie hätten die Wahlfreiheit erfunden, ein Mann oder eine Frau zu sein.” So plätschert die Geschichte vor sich hin und man freut sich mit dem Protagonisten seines Lebens.
Gelegentlich lesen. Dümmer macht es nicht. Mein Exemplar ist zu haben.