Man kennt solche Filme von früher, als Agatha-Christie-Romane rauf und runter verfilmt wurden. Auf einem Reiche-Leute-Landgut kommt der Patriarch nach einer vollständige-Anwesenheit-verlangenden Familienfeier unter unklaren Umständen zu Tode, alle und jede/r geraten unter Verdacht, weil sie gar nicht die guten Menschen sind, die sie zu sein vorgeben, sondern jeweils mindestens ein dunkles Geheimnis zu verstecken suchen. Ein unter mysteriösen Umständen engagierter Privatdetektiv “unterstützt” das Odd-Couple-regionale-Polizistenpaar mit eher unkonventionellen Methoden “bei den Ermittlungen”, und nichts ist wie es scheint. Macht Spaß, ist leidlich spannend, hält aber niemanden vom Schlafen ab.
Insgesamt ist die Umsetzung dieser Vorgaben gut gelungen. Autor und Regisseur Rian Johnson schenkt Daniel Craig eine Paraderolle als hardboiled Private Eye Benoit Blanc, die der von Anfang bis Ende in einem “Kentucky fried Foghorn Leghorn drawl” (Zitat aus dem Film für diesen ganz besonderen Südstaatenakzent) fröhlich herunterrampensaut. Das ist es dann aber auch. Die Talente seines restlichen hochkarätigen Cast (u. a. Christopher Plummer, Jamie Lee Curtis, Don Johnson, Chris Evans, Toni Collette, um nur einige wenige zu nennen) verschenkt er, indem er sie auf Typen (hypererfolgreiche Tochter, Loser-Sohn, Frauenheld-Schwiegersohn, Geheimnisträger-Haushälterin etc.) reduziert. Sie schlagen sich alle wacker, aber sie hätten soviel mehr zeigen können, weil sie es können. Das ist schade.
Trotzdem, “Knives Out” kann man sich ansehen.