Es schüttet ohne Unterlaß. Seit nunmehr drei Tagen am Stück. Der regenentwöhnte Bay Area-Anrainer kennt darauf nur eine angemessene Reaktion: PANIK!
Auf dem Weg zur Arbeit heute früh wurde die Verkehrsdurchsage mit den Worten eingeleitet “this is a lousy* day to drive yourself to work” und dauerte fast 10 Minuten. Nicht, weil viel mehr Autos unterwegs waren als an trockenen Tagen oder wegen der vielen Unfälle; die kamen zwar auch vor, aber eigentlich ging es nur um überflutete Fahrspuren, eine, zwei, drei von zwei, drei, vier möglichen und dementsprechend fürchterlich langen Staus. Es wird allerhöchste Zeit, daß Toni sich endlich zur Machtergreifung durchringt und Autobahnbau, STVO sowie Verkehrserziehung mit verpflichtender Fahrschule und -prüfung einführt. Androhen täte er es schon lange genug…
Wir sind seit einem Jahr in unserem neuen Büro und das ist tatsächlich der erste ernstzunehmende Regen seit dem Einzug. Und was haben wir davon? Einen Wasserschaden. Unter der langen Fensterfront sammeln sich Pfützen und die eilends herbeigerufenen Fachmänner haben herausgefunden, daß das Gebäudefundament nicht ganz dicht ist. Als wir vorhin nach Hause aufbrachen, war ein ganzer Trupp Gebäudetrockner schon dabei, Wasser in riesige Eimer abzusaugen, Teppichfliesen- und leisten abzutragen und Trockenbläser aufzustellen. Wenn die erst mal zwei Wochen gelaufen seien, dann sei bestimmt alles wieder gut. Ich kenne das noch von einem Wasserschaden drei Stockwerke über meiner alten Münchner Wohnung. Der Lärm ist gräußlich und ich habe mir ausbedungen, daß wir wenigstens tagsüber in Ruhe arbeiten wollen. Wenn die nachts Krach machen, ist mir das herzlich wurscht. An der eigentlichen Ursache, dem Fundament, könne nur gearbeitet werden, wenn der Regen irgendwann einmal wieder nachlasse. Und ob das je nochmal passiert? Deppenhaufen!
Aber was beschwere ich mich übers Büro? In meiner Garage habe ich auch schon wieder große Lachen stehen. Wer immer diesen Bau geplant hat, hat dem Wasser eine wunderbare Rampe mit eingeplant. Weil der Briefkasten ein Schlitz in der Garagentür ist und der Briefträger heute das Postbündel mit Gewalt reingedrückt haben muß, streute es unter Umgehung des dafür angebrachten Sammelkörbchens direkt auf den Boden und hängt jetzt zum Trocknen auf der Leine im warmen Bad. Da haben die vielen vielen Nachrückerameisen was zum Lesen, während sie vom frisch nachgelegten Combat-Gel naschen.
Eigentlich ist eine Regensaison um diese Jahreszeit hier nicht ungewöhnlich, aber es scheint, daß wir hier nach dieser langen Dürreperiode mit Wasser vom Himmel wirklich nicht mehr umgehen können. Wenn der große Hof um den Mond und die dicken schweren schwarzen Wolken eine Indikation sind, geht das noch eine Weile so weiter mit dem nassen Wetter. Auweiah!
*Läuse haben weder im Englischen noch im Deutschen eine gute Reputation.