Aus dem Vokabelheft oder Reiner Schuhfall

Es ist wie immer, erst letzte Woche habe ich das Idiom “Waiting for the other shoe to drop” (Warten bis der andere Schuh fällt) gelernt, und seitdem begegnet es mir auf Schritt und Tritt, immer dann, wenn jemand sagen will, daß er auf die nächste Hiobsbotschaft wartet. Ihren Ursprung hat die Redewendung in einem alten Vaudeville-Witz, und der geht so:

Ein Reisender trifft spätabends in einem Hotel ein und wird ermahnt, sich mucksmäuschenstill zu verhalten, da der Herr im Zimmer nebenan äußerst geräuschempfindlich sei. Unser Reisender ist denn auch ganz vorsichtig, dreht den Schlüssel leise im Schloß, stellt seinen Koffer behutsam auf denTeppich, hängt Hut und Mantel auf, setzt sich geräuschlos auf sein Bett und löst seine Schnürsenkel. Er war den ganzen Tag auf den Beinen, der Fuß steckt fest, er zieht und bummmbadderabumm fällt der Schuh aufs Parkett. Ah, wie peinlich! Dabei hatte er doch so aufgepaßt. Kaum vernehmbar nestelt er sich aus dem Rest seiner Bekleidung, schleicht auf Samtpfoten noch schnell ins Bad, Spülen, denkt er sich, kann er auch morgen früh noch, rollt sich in seine Decke, löscht das Licht und dämmert weg. Eine Stunde später hämmert es an seiner Wand und hellwach vor Schreck hört er von nebenan eine anklagende Stimme: “Verdammt, wann werfen Sie endlich den zweiten Schuh?”

pity train

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