Aus dem Vokabelheft

Ich hab längst vergessen, wer diesen Artikel bei Spiegel Online verbrochen hat. Aber für eine Wortschöpfung wie “Eventietum” gibt es ein Fleißbienchen.

Gelesen: Micaiah Johnson – “The Space between Worlds”

Von der Kritik wird Johnsons Erstling extrem hochgejazzt, da habe ich mir doch selbst ein Bild vom Wunderwerk gemacht.

Nun.

Die Grundvoraussetzung ist Science Fiction Standard: Die große Umwelt/Klimakatastrophe hat stattgefunden. Der privilegierte Teil der überlebenden Menschheit lebt in mächtigen Stadtstaaten unter Kuppeln, geschützt vor der Strahlung einer bösen Sonne, mit gefilterter Luft, guter und frischer Nahrung, hohem Einkommen, hoher Lebenserwartung und, siehe den Sonnenschutz weiter oben, weißer Hautfarbe. Die anderen leben ungeschützt in den “Wastelands”, unter einem von Mad Max inspirierten Regime eines “Emperors”, sind arm, krank, elend, schwarz und einem frühen Tod durch Hunger, Seuchen und viel Gewalt geweiht.

Nicht ganz neu ist die Idee, dass es ein Multiversum und damit Parallelerden zu dieser Erde gibt. Fast wie diese, aber nicht ganz. Mit mehr und anderen Rohstoffen, zum Beispiel. Oder Agrargütern. Oder medizinischen Fortschritten. Oder. Was liegt näher, als diese Schwesteruniversen auszubeuten? Gesagt, getan. Nur leider überleben die Gesandten aus der Kuppelstadt ihre Mission nicht. Warum? Weil ihre Entsprechung, ebenfalls aus der gut genährten gebildeten Oberschicht auf der Parallelerde ebenfalls am Leben ist. Und, so die Prämisse, zwei identische Lebewesen können nicht gleichzeitig auf einer Welt existieren. (Weiß man doch selbst als Laie aus Science Fiction Filmen, wohin das führt. Mann.) Was liegt also näher, als zukünftige Traverser dort zu rekrutieren, wo die Überlebenschancen wesentlich geringer sind?

In den 382 bisher bekannten Realitäten hat Ich-Erzählerin Cara aus den Wastelands gerade mal in acht überlebt und die Geschichte beginnt damit, wie sie in einer davon eine weitere Version von sich zu Tode geprügelt auffindet, ihre Chance nützt und deren Identität annimmt. Das ist zunächst ein wenig verwirrend, wird im Laufe der Erzählung aber gut erklärt. Johnson hat unglaublich viele Themen und sie will sie alle alle unterbringen: unterdrückte gleichgeschlechtliche Beziehungen, Familie und all deren Facetten, Glaube und Religion, Ausbeutung in jeder Form, Gewalt, Gewalt, Gewalt, Klimawandel, Rassismus, Armut, Ressourcenmangel, Hunger, Chancenungleichheit in Bildung, Gesundheitsversorgung usw., Kapitalismuskritik, Prostitution – wobei, das Konzept der “Houses” als sicherer Hafen hat einen gewissen Charme. Aber davon einmal abgesehen: ganz bestimmt gut gemeint, aber leider überfrachtet. Vollkommen überfrachtet.

Ich habe die Heldin mehrfach bewundert, wie sie die verschiedenen Varianten ihrer Bezugspersonen in den vielen verschiedenen Realiäten auseinanderhalten kann – ich war ja schon beim Lesen überfordert. Da hätte ein gutes Lektorat Segen stiften und das Konvulut um ein paar Erzählstränge kürzen können – die eigentliche Botschaft wäre dennoch nicht verloren gegangen.

Spannend? Fraglos. Neu? Das auch. Vorbehaltlos empfehlen kann ich das Buch trotzdem nicht. Zu viel des Guten ist halt auch zu viel. Wer’s dennoch lesen mag, kann mein Exemplar haben. In meiner Bibliothek wird es nicht zu einem der Bleibenden.

Mein persönlicher Theatersommer… LSG Ergoldsbach, Niederbayern: “Die Widerspenstige”

Früher habe ich für meinen Theatersommer noch drei Länder bereist, nun sind nur noch Niederbayern und Österreich übriggeblieben. Hier nun der Reisen erstes Stück.

Die Ergoldsbacher Truppe spielt zu ihrem 60-jährigen Jubiläum eine Shakespeare-Bearbeitung von Christoph Eckert und holt aus dieser nicht sehr originellen Vorlage raus, was geht. Kurz zusammengefaßt: das Wirtsehepaar Baptista führt ein Bustouristenabzocklokal mit Terrasse sowie Aussicht (Sonnenuntergang über Capri) und hat zwei Töchter. Der Rest ist wie bei Shakespeare: die Kleine kann sich vor Verehrern nicht retten, die Ältere hat mit dem traditionellen Rollenbild mit marito und bambini nicht viel im Sinn.

Statt nun die pointierten Schnellfeuerdialoge Shakespeares in modernes Deutsch zu übertragen, schreibt Eckert selbst und nimmt den Schwung raus – da kann das junge Ensemble noch so viel Spielfreude und originelle Auf- und Abgänge und Bühnenbauten dagegensetzen – der Text läßt nicht so viel zu, wie Potential da wäre. Elendsschade!

Ich muss einschränkend dazu sagen, dass ich nur den zweiten Teil ganz gesehen habe. Den ersten kenne ich in weiten Teilen nur vom Hörensagen, da war ich wegen Übelkeit draußen und danke allen, die sich so sorgend um mich gekümmert haben.

Krach

Jetzt bin ich den zweiten Tag krank zu Hause und würde mich gerne in Ruhe auskurieren. Von wegen. Die Blaumannlärmbrigade im Innenhof läßt alle Motoren heulen und an irgendwas “in Ruhe” ist noch nicht einmal entfernt zu denken.

Saubande!

Schland ist wieder da, die zweite

Die Bahn macht natürlich auch mit.

Wir lernen folgendes:

  1. Die Erika Mustermann des 3. Millenniums heißt Marie-Christine Walder.
  2. Die Fan-Bahncard gildet nur dann ein Jahr lang, wenn Deutschland gewinnt. Wenn mich meine Erinnerung nicht sehr trügt, konnte man beim letzten Mal für eine einjährige Gültigkeit des Rabatts noch selbst auf den Gewinner tippen. Fand ich lustiger. Und europäischer.

Alles zu seiner Zeit

Was Menschen morgens halb zehn in Deutschland machen, darf als bekannt vorausgesetzt werden*. Was sie am Freitagnachmittag um drei in Hadern machen, erkläre ich euch jetzt. Am Freitagnachmittag um drei stehen sie, ein, zwei, viele Pakete mit sich führend, in einer endlos langen Schlange beim DHL-Shop am Haderner Stern an, und schicken zurück, was fleißige Paketboten im Laufe der zurückliegenden Woche bei Nachbarn abgegeben und vor Haustüren deponiert haben.

Am Wochenende wird wieder bestellt.

* @junge Menschen: Wißt ihr nicht? Ich sag’s euch: sie essen Waffelschokolädchen. Recherchiert selbst oder fragt einfach eure Eltern. Oder Großeltern. Ggfs. auch Arzt, Ärztin oder Apothekende.

Wozu sind Kriege da?

Diese Frage beschäftigt selbst die kleine Klugscheißereule aus der Duolingo-Sprachlern-App.

Sie kann’s aber auch erklären. Weil, sagt Duolingo, die Leute während eines Krieges unglücklich sind, weil ihr Land Probleme mit anderen Ländern hat. War doch gar nicht so schwierig.

Zins und Zinseszins

Neulich der freundlichen Vor-dem-Hungertod-Retter-Bäckerin um kurz nach achte abends das Rückzehnerl für mein Abendbrötchen erlassen. Gleich am nächsten Morgen auf dem Weg zum Auto zwei Fünferl gefunden, also Ausgleich.

Heute gleich ein glänzendes Fünzigcentstück aufgehoben. Also, wenn das bei allen Spenden zukünftig so funktioniert, dann gelobe ich, die großzügigste Geberin der Welt zu werden. Nämlich.

Getreu dem Sprichwort, das ich heute gelesen habe: „Ein wenig Duft hängt immer an der Hand, die Rosen schenkt.“