Das ist ein ganz und gar außergewöhnliches Buch und ich danke Herrn P. aus W. sehr sehr herzlich fürs Empfehlen. Sehr sehr.
Ein Buch wie ein feines Tuch: Man stelle sich historische Personen und Ereignisse wie Kettfäden im Rahmen des Webstuhls gespannt vor, mögliche Realitäten und schiere Phantasterei bilden die Schußfäden, deren Farbe und Stärke und Richtung der Autor nach Gusto wechselt.
Dramatis personae sind die Herren Winston Churchill und Charlie Chaplin, beide von früher Jugend an von schwersten Depressionen gequält, Churchill pflegt diese “the black dog” zu nennen. Soweit, so belegt. Köhlmeier läßt diese beiden Herren nun einen Selbstmordpakt schließen. Nicht, um gemeinsam aus dem Leben zu scheiden, sondern um dem anderen beizustehen, wenn der schwarze Hund ihn zu überwältigen droht und ihn vom Suizid abzuhalten.
Man wundert sich beim Lesen eigentlich nur, warum der Weltgeist diese Leben und diese Freundschaft nicht genauso hat geschehen lassen und es dazu erst Köhlmeiers Phantasie und Sprachkunst bedurfte. Überhaupt, Sprachkunst. Es ist ein Buch wie dieses, das mich bedauern läßt, kein fotografisches Gedächtnis zu haben und wenigstens eine Auswahl dieser herrlich gedrechselten Sätze für die Ewigkeit dort zu verankern. Ja, wieder eine Metapher aus dem Handwerk – mühelos, wie sie jetzt auf dem Papier stehen, fühlt man, wieviel Ausprobieren und Arbeit darin steckt, dass sie dann genau so klingen, wie sie jetzt klingen.
Lesen! Lesen! Lesen! Und dabei Zeit lassen. Ich habe, glaube ich, insgesamt drei Zwischenbücher eingeschoben, damit es nicht so schnell vorbei ist und ich immer wieder ein, zwei Kapitelchen weiterlesen und die genußvoll nachklingen lassen konnte.
Danke im übrigen auch an den Hanser-Verlag, der das Buch wunderschön besorgt und dieses Gemälde für den Umschlag gefunden hat:
