Neu zum Strömen: “The Other Bennet Sister”

Die BBC-Mini-Serie (10 Folgen à 30 Minuten) basiert auf dem 2020 erschienen Roman der Autorin Janice Hadlow. Sie spielt in der Welt von Jane Austens “Pride and Prejudice” (quasi Fan-Fiction) und erzählt die Geschichte der fünf Töchter Bennet, deren einzige Lebensperspektive in ihrer Zeit “marriage or misery” (Heirat oder Elend) ist, aus der Perspektive der mittleren Tochter Mary. In Austens Buch wird sie als eher langweiliger moralinsaurer Bücherwurm dargestellt, lange nicht so hübsch wie ihre Schwestern und dann auch noch Brillenträgerin.

Ella Bruccoleris Mary hingegen ist eine herzensgute Person. Linkisch, ein wenig nerdig, aber hochgescheit (das, was die Angelsachsen “booksmart” nennen), empathisch – und 10 Folgen lang erfolglos bemüht, den Ansprüchen ihrer Mutter (schwelgt und schwillt in den Regency-Roben und ihrem hysterischen Muttertier Ruth Jones) zu genügen. Weil es aber immer andere Menschen gibt, die in Mary sehen, was ihre Mutter nicht und sie selbst noch nicht sehen kann, kommt sie nach der ganz wunderbar beiläufigen Verheiratung der Schwestern, die insgesamt in unter 10 Minuten gleich in der zweiten Folge abgehandelt werden, zu Onkel und Tante (zu gut um wahr zu sein: Richard Coyle und Indira Varma) nach London und blüht auf.

Das ist dann auch die Crux in der Geschichte: aufblühen tut sie, weil sie endlich auch mal hübsche Kleider bekommt, nicht permanent als mangelhaftes Sonderangebot zu Markte getragen wird, sondern einfach unter Menschen sein darf, die nicht ihre Familie sind – und weil sich Männer für sie interessieren. Nicht wegen ihres Aussehens (immer noch Brille), das wird ständig betont, sondern weil sie geistreich ist und mitfühlsam. Das ist nett und wohltuend, aber insgesamt doch ein bißchen zu lang, vor allem, weil die giftigen Frauen um sie herum allesamt erst, wenn überhaupt, in den letzten paar Minuten ansatzweise geläutert werden und sie auch erst wirklich glücklich wird, als sie dann doch auf den letzten paar Filmmetern den Richtigen findet. Meine Empfehlung, bei allem Respekt vor Poesie, schönen Gärten und Landschaften, straffen, straffen, straffen!

Vor allem: Man hätte die Geschichte der Mary Bennet im 21. Jahrhundert auch so erzählen können, dass aus einem häßlichen Entlein kein ehetauglicher Schwan zu werden braucht. Selbstbewußte Ente mit eigenem Einkommen wäre die bessere Botschaft gewesen.

Wem Bridgerton zu sexy, schlüpfrig, pikant ist (habs nicht gesehen, aber man sagt so), der ist mit dieser Produktion gut bedient. Man kann sie in einem Abend wegbingen. Muss aber nicht.

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