Barbieworld

December 10th, 2016

Kurz hinter der Münchener Stadtgrenze scheint auch eine andere Klimazone zu beginnen, das morgendliche Wetter in Gräfelfing ist jedenfalls fast immer das genaue Gegenteil dessen, was es in Hadern ist. Neulich, zum Beispiel, fahre ich aus der Tiefgarage in dunkelgrauen Feuchtnebel, die einzigen Farbflecken sind die Reflektorstreifen auf den neongrünen Langmänteln der Schulweghelfer.

Dann gehts scharf nach rechts, ich verlasse die Landeshauptstadt und die Welt leuchtet rosa. Die schneebedeckten Straßen und Wege? Rosa. Bäume, Büsche, Sträucher, Felder, Pferdekoppel, Flüchtlingsheim und Schäferhundzüchtervereinsgelände? Mit rosa Zuckerwatte überzogen. Selbst die Glasflächen der häßlichen Universitätszweckneubauten reflektieren einen ungeheuer dramatisch schönen Sonnenaufgang. In Rosa.

Die Moral von der Geschichte? Ich stehe einfach viel zu früh auf.

Neu im US-Fernsehen

December 10th, 2016

Es bricht sich schwer mit alten Gewohnheiten und darum bekomme ich immer noch eher mit, was im amerikanisch/britischen Fernsehen neu ist, als im deutschen. Verteilt über die letzten Wochen habe ich mir eine kleine und ü-ber-haupt nicht repräsentative Auswahl angesehen.

In der Kategorie “sehr gut” steht obenan Westworld, die auch hierzulande mit viel medialem Hype begleitete HBO-Serie über einen Westernthemenpark, bevölkert von menschenähnlichen Robotern und mit einem tiefdonkelen Geheimnis. Gut besetzt, spannend und sehr sehenswert. (Wer alt genug ist, erinnert sich an den gleichnamigen Film mit Yul Brynner geschreiben und inszeniert von Michael Crichton, von dem die Serienmacher ihre Inspiration bezogen haben.)

In dieselbe Kategorie fällt Black Mirror, eine zusammenhanglose Reihe dystopischer Geschichten in der inzwischen 3. Staffel, die Sehgewohnheiten auf den Prüfstand stellt und den Zuschauer zwingt, sich bekannte Themen unter einem völlig neuen Blickwinkel anzusehen.

Richtig richtig schlecht und von mir nach zwei Folgen aufgegeben ist Pacific Heat, eine australische Zeichentrickserie über ein Häufchen stereotyper Jung-Agenten, die furchtbar schlimme unkomische Dialoge sprechen und sich über anderer Leute Akzent lustig machen. Australier. Die sich über anderer Leute Akzent lustig machen. Egal wie hoch die springen, sie werden nie an Archer heranreichen. Der ist nämlich auch in der nunmehr 7. Staffel sehr witzig.

Und dann gibt es noch die Kategorie “weiß nicht”. Der führende Kandidat in diesem Bereich ist Shut Eye. Der Held ist ein früherer Magier aus Vegas, jetzt tätig im “Psychic”-Big-Business (Wahrsager, Medien*, Hellseher, Handleser, Hypnotiseure, Kartenleger…) in Los Angeles, immer zwischen den Stühlen zwischen Gangster-Gangs und um Marktanteile käpmpfenden Roma-Familien und immer auf der Jagd nach dem großen Coup, der soviel Geld bringt, damit er mit seiner Familie aus diesem Leben aussteigen kann. (Was einen irgendwie an Huren erinnert, die das nur so lange machen, bis…)

So geht das über 10 Folgen, mit immer mal brutalen Gewalt- oder heißen Sexszenen (was halt im amerikanischen Fernsehen außerhalb HBO als heiß verstanden wird; Gewalt wird selbstverständlich expliziter gezeigt), schönen Bildern von den dunkleren Seiten des südkalifornischen Lalaland, Isabella Rosselini als böser Roma-Clan-Matrone, was sie sehr überzeichnet und mit links spielt, inklusive sardonischem Grinsen, David Zayas als bösem Tex-Mex-Baugewerbegangster (ja, das ist der Anchel aus Dexter) und Susan Misner als Neurologin, deren Behandlung im besten Sinne unkonventionell zu nennen ist: “da nehmen Sie jetzt mal ein paar von diesen Pilzen und dann schauen wir mal, was das mit Ihrem Gehirn macht”. Der Twist im Plot? Der falsche Psycho-Fuffziger bekommt nach einem Tritt in den Schädel wirklich Zukunftsvisionen. Uiuiui!

Jetzt, wo ich das alles so aufgeschrieben habe, stelle ich fest: nein, man muß nicht anschauen, wie jeder jeden betrügt und genug offene Enden gelassen werden, um eine noch nicht zugesagte zweite Staffel zu rechtfertigen. Shut Eye hiermit in die Kategorie “unnötig” verschoben.

Gelesen habe ich natürlich auch viel, dazu ein anderes Mal mehr.

 

* Medien, wahlweise Media, ist der Plural von Medium, hab’s nachgeschlagen.

Traum

December 8th, 2016

Nach yet another bad night reißt mich der Wecker aus dem Schlaf und ich weiß, dass ich das Lied mit dem Refrain “Now you got a Shotgun for a Key” selbst komponiert habe und wie der Refrain klingt.

Weird.

Tatort “Wofür es sich zu leben lohnt”

December 6th, 2016

Mann, hatte ich Spaß. Und die Damen Hanna Schygulla, Margit Carstensen, Irm Hermann und Eva Mattes spürbar auch. Die Handlung? Nicht der Rede wert. Ein paar Männer, hilflos und/oder böse. Aber dafür dreieinhalb Hexen in ihre Seevilla Kunterbunt, eine gelbleuchtende Kill Bill Referenz (mit Uma Thurmans Frisur aus Pulp Fiction in blond), bündelweise böse Weiber, Strohkönig in Flammen, Boot in Flammen, Frau Hermanns schiefes Grinsen, Margit Carstensens gesummte Internationale und Hanna Schygullas Stimme. Ach, diese Stimme. Die kann gar nicht so viel dummes Zeug schwätzen, als dass man ihr nicht dennoch gerne zuhörte.

Gibts noch die ganze Woche in der Mediathek. Unbedingt anschauen!

Long time no do

December 5th, 2016

Ich bin dem Kandidaten, der noch in einem festen Anstellungsverhältnis ist, entgegengekommen und habe ein sehr spätes Vorstellungsgespräch vereinbart. Als wir dann endlich das Büro verlassen, ist es stockdunkel, steinkalt und mein Auto rundrum eingefroren.

Ja, dann werde ich wohl vor der Abfahrt Scheiben kratzen müssen. Zum ersten Mal seit wieviel Jahren?

Tu felix Austria belle

December 5th, 2016

(Zur Präsidentenwahl 2016)

Zauberbalkon

December 4th, 2016

So, wie’s heute grausliggrau und feuchtkalt ist, war’s gestern sonnenhell und trockenkalt. In solchen Fällen besinnt sich frau auf die Thomas Mann, legt den Stuhl mit Schaffell aus, sucht und findet die Fingerhandschuhe mit den langen Stulpen, wickelt sich in Decken und gibt sich anschließend auf dem Balkon erbaulicher Lektüre hin. Außerdem Vitamin D-Nachschub.

Geht zwar, wg. doch arg kalt, nicht lang, reicht aber, um sich heute dem Ablagepapierberg zu stellen.

Wetterphänomen

December 1st, 2016

Vormittagszigarettenpause im Hof auf der Nordseite des Gebäudes, Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt. Vom Himmel donnern weiße harte Perlen in Globuligröße. Schnee isses nicht und Hagel aber auch nicht recht.

Aha! Muß wohl Schnagel sein.

Immer wenn du denkst, es geht nichts mehr…

December 1st, 2016

… dann brennt ein Lichtlein, wenn ich den Aufzug herbeidrücke, im Schacht schrubbert die Kabine nach unten, macht bereitwillig die Tore weit, läßt ihr helles Licht erstrahlen und bringt mich wohlbehalten nach oben.

Geht doch.
(Ich war vorbereitet. Die Dame von der Hausverwaltung hatte zugesichert, dass Himmelfahrten ab 18:20 Uhr wieder möglich sind, da war ich vorher doch grad recht noch flugs zur Happy Aua noch bei Pfisters.)

Haiku-Versuch

November 30th, 2016

Frostreif. Starres Feld.
Schwarze Rabenschnabel hacken
morgenrote Sonne.

(Sowas kommt mir in den Sinn,
wenn ich viel zu früh am Morgen
im Ampelabbiegestau stehe.)