Wozu sind Kriege da?

Diese Frage bsch├Ąftigt selbst die kleine Klugschei├čereule aus der Duolingo-Sprachlern-App.

Sie kann’s aber auch erkl├Ąren. Weil, sagt Duolingo, die Leute w├Ąhrend eines Krieges ungl├╝cklich sind, weil ihr Land Probleme mit anderen L├Ąndern hat. War doch gar nicht so schwierig.

Zins und Zinseszins

Neulich der freundlichen B├Ąckerin um kurz nach achte abends das R├╝ckzehnerl f├╝r mein Abendbr├Âtchen erlassen. Gleich am n├Ąchsten Morgen auf dem Weg zum Auto zwei F├╝nferl gefunden, also Ausgleich.

Heute gleich ein gl├Ąnzendes F├╝nzigcentst├╝ck aufgehoben. Also, wenn das bei allen Spenden zuk├╝nftig so funktioniert, dann gelobe ich, die gro├čz├╝gigste Geberin der Welt zu werden. N├Ąmlich.

Getreu dem Sprichwort, das ich heute gelesen habe: ÔÇ×Ein wenig Duft h├Ąngt immer an der Hand, die Rosen schenkt.ÔÇť

Heimweh

Manchmal denke ich wehm├╝tig an meine amerikanische Gastheimat zur├╝ck. So wie dieser Tage, als mir meine Haus- und Hof-Outlet-Mall in Gilroy schreibt:

Nicht nachdenken ├╝ber den Wahlausgang, Kriege oder Klimawandel – nein, Shoppen und die Welt ist heil.

Blame It on the Weatherman

Die Temperatur in meinem Nordb├╝ro betr├Ągt morgens gegen dreiviertel acht immer so um die 17┬░C, weil diese Hausseite noch nie von auch nur einem Sonnenstrahl verw├Âhnt wurde und nur manchmal im h├Âchsten Hochsommer ein bi├čchen W├Ąrme und Licht vom Wellblechzaun gegen├╝ber abstrahlt. Das muss so, sagt der Vermieter, denn die Heizung werde traditionell kurz nach Ostern abgestellt. So auch dieses Jahr. Abgestellt muss sie bleiben, denn a) wolle man die neu angeschaffte W├Ąrmepumpe doch “schonen” und b) sei es ja nach drei Tagen um die Jahreszeit sowieso schon wieder warm.

Dem Manne das Ph├Ąnomen Klimawandel und die Unsicherheit bisheriger Sicherheiten zu erkl├Ąren, ist m├╝├čig, also habe ich bis dato noch nicht von Winter- auf Fr├╝hlings- oder wenigstens ├ťbergangsmode umgestellt, sondern trage, wenn ich zur Arbeit gehe, die immer gleichen dicken Wollpullis, warmen Str├╝mpfe und gef├╝tterte Hosen wie seit Monaten, inklusive der Extra-Strickjacke sowie der Wolldecke f├╝r ├╝ber die Beine, weil das Haus au├čerdem extrem fu├čkalt ist.

Inzwischen sind dem Geizkragenkerl offensichtlich doch zu viele eigene Mitarbeiterinnen (das ist nicht gegendert, weil es wesentlich mehr Frauen als M├Ąnner betraf) wegen Krankheit ausgefallen und die, die noch oder wieder da sind, jammern wohl zu laut, so dass er nun pro B├╝roraum, unabh├Ąngig von dessen Gr├Â├če und Besetzung, gro├čz├╝gig einen strombetriebenen Heizl├╝fter zur Verf├╝gung gestellt hat. Diesen Winzw├╝rfel stelle ich nun jeden Morgen als erste Amtshandlung eines jeden Arbeitstages an und bis es Mittag ist, hat sich das kleine Ding hei├čgeblasen und die Innentemperatur auf 19┬░, an verr├╝ckten Tagen sogar bis auf 20┬░C hochgetrieben. Leider ist die Raumluft bis dahin so derma├čen schlecht, dass mir die Augen brennen und der Hals kratzt und der hochgewirbelte Staub meine Haare in alle Richtungen abstehen l├Ą├čt. Au├čerdem habe ich Brandblasen an den Fingern, weil sich an diesem Billigstmodell der An- und Ausschaltknopf am allermeisten aufheizt.

Werte Wetterg├Âtter, bitte: habt Erbarmen! Wenn es irgendwie dienlich ist, opfere ich auch den Vermieter.

Hey, Mr. Postman

Ich warte seit Wochen auf die Bewilligung einer Beh├Ârde. Aber der Brief, der kummt ned, kummt ned. Hingegen schreiben mir Hinz und Kunz, Krethi und Plethi und seit neuestem auch Dieter und Georg. Letztere sind Oberb├╝rgermeister respektive Mobilit├Ątsreferent der Stadt, sorry, Landeshauptstadt M├╝nchen und haben sich Gedanken gemacht. Zum Beispiel dar├╝ber, was mich so umtreibt. “Vielleicht besch├Ąftigt Sie gerade die Frage, wie sich im Ruhestand Ihr Alltag ver├Ąndern wird?”

Dazu haben sie mir ein Hefterl geschickt. Darin steht alles, was ich ├╝ber Gehen, Radeln, Fitness, Ehrenamt, Flohmarkt, Biergarten und anderen Spa├č wissen wollen k├Ânnte, Hauptsache, den Hintern hoch und irgendwas unternommen.

Ich wollte die Idee eigentlich b├Âse sarkastisch verrei├čen. Aber eigentlich finde ich sie nicht ganz doof. Ich werde das Magazin mal aufheben. Man wei├č ja nie.

Im Lesen: Shehan Karunatilaka ÔÇô ÔÇťThe Seven Moons of Maali AlmeidaÔÇŁ

Es handele sich bei diesem Buch, so ein Rezensent, um das wichtigste Werk srilankischer Literatur der letzten Dekade. Das mag so sein und ich bin wahrscheinlich eine f├╝rchterliche Ignorantin, aber ich wei├č so gut wie nichts ├╝ber die Kolonialgeschichte des Landes und den nachfolgenden B├╝rgerkrieg zwischen Singhalesen und Tamilen (1983 – 2009) und die in dieser Zeit ver├╝bten Kriegsverbrechen.

Das macht es mir schwer, ein Werk zu lesen, dessen Held ein schwuler Kriegsfotograf ist, der gerade gefoltert und zerst├╝ckelt in einem See in Colombo versenkt wurde und jetzt aus einer Art Wartesaal zwischen Himmel und H├Âlle aus seinem Leben erz├Ąhlt.

Ich werde bei Gelegenheit zu Ende lesen und dann berichten, aber jetzt erst einmal wieder was anderes dazwischen schieben, wo ich mit dem Kontext mehr vertraut bin und nicht st├Ąndig anecke.

Schland ist wieder da

Gestern beim Discounter, oh Mann! Elf in Plastik eingeschwei├čte Brutzelfreunde warten darauf, dass sich ihr Schicksal auf einem Grill erf├╝llt, gekr├Ânt mit Siegersenf. Alles, was man beim Starren auf Monitore sinnlos in sich hineinstopfen kann, Chips, Flips, Stangen, Pretzels (Brezeln sind ja sooo letzte EM), Cracker, N├╝├čchen, Sonstiges, tr├Ągt mindestens patriotische Banderolen, oft aber auch noch fu├čballbezogene Namen. Ehemalige Weihnachtskugeln-dann-Schokoladenostereier tragen jetzt schwarz-wei├če Muster und werden dem Fan als Choc-Balls untergejubelt. In den K├╝hltruhen wartet die troph├Ąenbedruckte Meisterm├Ąnnerpizza (Schinken UND Salami UND Hackfleisch UND Pepperoni) auf ihren Pausenauftritt, f├╝r die Kleinen ist das Naschwerk geziert mit Maskottchen Alb├Ąrt, das zwar inzwischen zu Hosen gekommen ist, dar├╝ber aber leider den Hals verloren hat.

Der Sieger f├╝r mich? Ein Lutscher in Deutschlandform, schwarz-rot-gold-gestreift, mit Zuckerperlen besetzt. Wenn das Ding einen Namen hatte, habe ich den leider verpa├čt, beliebe es aber in guter deutscher Tradition Ed-von-Meisterschleck zu nennen.

… geht durch den Magen

Neulich erst hatte ich alte Freunde geladen, denen ich mal zeigen wollte, wie der Iman in Ohnmacht f├Ąllt – sprich, ich wollte f├╝r sie “─░mam bay─▒ld─▒”, ein ganz wunderbares gef├╝llte-Auberginen-Rezept aus der T├╝rkei zubereiten. Und damit ich auch ganz gewiss alles richtig mache, habe ich mich beim Internet vergewissert und dort neue Freunde kennengelernt. Die Herrschaften von KochDichT├╝rkisch (https://shop.kochdichturkisch.de/), die mir alles beibringen, was ich bisher noch nicht ├╝ber t├╝rkische K├╝che wu├čte und meine Auberginen zum Erfolg machten.

Dar├╝ber habe ich gleich noch meine Freundschaft mit dem Gem├╝seh├Ąndler in der Passage erneuert, einem Landsmann meiner neuen Freunde in D├╝sseldorf-Flingern, der alles, was ich nicht sowieso schon im Haus habe, selbstverst├Ąndlich vorh├Ąlt und mir seinerseits mit Tips zur Zubereitung oder Lagerung weiterhilft.

Hach!

Eben habe ich mein erstes Pfannenb├Ârek gebrutzelt und alle, die in n├Ąchster Zeit zu mir zum Essen kommen, essen hoffentlich ebenso gerne t├╝rkisch wie ich.

Ich mochte ja die Anmerkung der vorturnenden K├Âchin, dass man manchmal ja auch nur kleine Portionen, f├╝r so vier bis sechs Leute brauche. Klein. Aha.