Zefix no amoi!

April 26th, 2018

Wir schreiben das Jahr 2018, Weltraumfahrt ist bereits gängige Praxis, die Übernahme der Erde durch Künstliche Intelligenzen nur noch eine Frage der Zeit. In jenem Jahr nun hat es dem großeschattenwerfenden HErrn gefallen, diesen in- und ausländischen heidnischen Betonköpfen und nicht zu Deutschland gehörenden Islamerern endlich einmal zu zeigen, wo der Lattengustl hängt.

Söder Zefix

Kaum steht’s im weltweiten Netz, muß der Gockel von der FDP dem Maggus umgehend die Verfassung um die Ohren zwitschern:

Lindner Zefix

Er hat natürlich nicht ganz recht, ist ja schließlich C. Lindner und von Beruf Populist. Lasse es dir gesagt sein, Junger Pawlow, mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufen nicht immer man kann*. Ja. Aber lesen man es könnte. In der Präambel** verankert er ist, der Gottesbegriff.

Es hat aber auch nicht ganz unrecht, das freidemokratische Model: natürlich benutzt Söder Religion (die richtige) für Wahlkampfzwecke. Ich bin sicher, dass der Machtmensch aus Franken davon träumt, es allen, vor allem seinen Parteifreunden zu zeigen und die CSU wieder zur absoluten Mehrheit zu führen. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Abgrenzung, Fremdenhaß, Islamfeindlichkeit – damit finden bestimmt einige der verlorenen CSU-Schäflein wieder von der AFD-Herde weg in den Pferch von Schäfer Markus. Außerdem Schaffung von Arbeitsplätzen: In Oberammergau und den anliegenden Gemeinden läuft gerade die Produktion von Pluszeichen für alle Amtsstuben an.

Ach, es ist ein Elend!

 

* Das Zitat verdanken wir dem seligen Hermann Höcherl.

** “Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.”
Man kann davon heute halten, was man will (dass man das kann, ist auch in diesem Grundgesetz festgelegt), aber die Mütter und Väter des Grundgesetzes sind neben vielem anderen auch wegen ihres Glaubens verfolgt worden und darum ist der Gottesbegriff in der Verfassung des demokratischen Staates nach der Diktatur ein Anliegen, das mindestens Respekt verdient. Ob man deswegen Kreuze in Amtsgebäuden aufhängen muß, ist ein ganz anderes Thema. Man lasse es sich von mir gesagt sein: man muß nicht.

Seitenbemerkung: Ich wurde neulich im Justizpalast als Zeugin befragt. Vor meiner Aussage belehrte mich der schwarzberobte Richter von seinem hohen Sockelsitz herunter mehrere Minuten lang über die Konsequenzen einer Falschaussage, erst recht unter Eid. Ich konnte ihm aber kaum folgen, weil mich das riesige Kreuz (mit blutendem Jesus in Farbe und bunt) hinter ihm an der Wand total irritierte und weiß bis heute nicht, ob ich, wenn ich lüge, nun geteert, gefedert oder viergeteilt werde. Jetzt ist mir klar: das Hohe Gericht hat schon mal für die neue Verordnung geübt. (Wenn sie’s denn je abgehängt hatten.)

Nimmer ganz neu im US-Fernsehen: Our Cartoon President

April 25th, 2018

Eigentlich hätte man sich von einem Spin-Off der Stephen-Colbert-Show knallharte Satire erwartet, herausgekommen ist aber eine etwas ungelenk gezeichnete Zeichentrickserie, in der ein in seiner Tumbheit fast sympathischer dicklicher ältlicher Mann mit gelben Haaren und oranger Haut durch die Zeitgeschichte taumelt, flankiert von unsympathischen Wesen beiderlei Geschlechts, die entweder mit ihm verwandt oder politisch irgendwie verschwägert sind und gräßliche Stimmparodien aufsagen (gegen die beiden Trumpsöhne Eric und Don jr. sind Beavis und Butthead intellektuelle Überflieger). Die Witze sind überhaupt solchermaßen flach, dass man Probleme hätte, sie wiederzufinden, wenn sie einem auf den hochflorigen Teppichboden fallen – ich habe noch nicht einmal die erste Folge zu Ende geguckt und rate von dieser Zeitverschwendung dringend ab!

Gastfundstück

April 25th, 2018

Ich habe mich schief und schebbelig gelacht. Großen Dank an die Frau E. vom Berg.

https://bit.ly/2FgKJU4

In der Unterfahrt: Avishai Cohen Quartett

April 25th, 2018

“Ja, wie?” werden aufmerksame Leserinnen fragen, “bei dem wart ihr doch neulich erst? In Burghausen, oder?” und sie hätten ja recht, wenn es nicht zwei aus Israel stammende schwer tolle Jazz-Musiker desselben Namens gäbe.

Bei dem einen waren wir neulich in der Wackerhalle, beim anderen gestern. Man kann sie aber ganz leicht unterscheiden: der Burghausener Cohen-Bruder hat keine Haare und spielt Baß, der aus der Unterfahrt gestern hingegen trägt einen langen Bart (übers Haupthaar sind wg. Mütze keine Aussagen möglich) und bläst die Trompete für eine sehr lyrische Musikdarbietung. Wenn’s das im Fachwortschatz überhaupt gibt. Wenn nicht, wünsche ich den Begriff hinzuzufügen: Lyrischer Jazz.

Außerdem hatte er Ziv Ravitz an den Drums dabei, einen Mann, der mich immer an eine uralte Geschichte von Ephraim Kishon erinnert. Genau wie die in Kishons Erzählung behandelte Bonbonniere des Staates Israels hübsch verpackt als Gastgeschenk von einer Einladung zur nächsten weitergereicht wird, ist Ziv ständig an Bord, wenn eine Jazz-Formation aus Israel spielt. Man freut sich aber drüber, denn er ist sehr gut und dabei cool wie ein Sack Eiswürfel.

Tageslosung

April 24th, 2018

Vor dem Schaufenster des Zeitschriftenladens steht der Herr, der dort morgens immer steht und frühstückt sein Bier. Er studiert mit schwer gerunzelter Stirn und zusammengekniffenen Augen die nebeneinander angebrachten Tafeln mit Wettervorhersage und Lottozahlen, nickt mehrfach, unterdrückt dezent ein Bäuerchen und spricht ganz allgemein zur Gegend: “Die Zahlen taugen heutzutage auch alle nix mehr.”

Dann nimmt er einen tiefen Schluck, wischt sich den Mund und schlurft fort in Richtung Tagwerk, der Morgengrauenphilosoph.

Rin in die Binsen

April 23rd, 2018

Pocket, jetzt Teil von Mozilla, ist sowas wie die neuzeitliche Version des Almanachs und erfreut ihre Leser täglich mit einer neuen Pinselweisheit (doch, das heißt so, hab ich neulich in einem sauschlecht übersetzten Roman gelesen), heute zum Beispiel mit der Erkenntnis, “Sich den Sonnenaufgang draußen anzusehen erhöht statistisch gesehen die Chance einen guten Tag zu erwischen. Genauso wie ein Nickerchen nach dem Mittagessen”.

Ich mag das gar nicht ausschließen, wünsche allerdings festzustellen, dass ersteres bei mir letzteres bedingt, wenn ich das Ende dieses guten Tages noch in wachem Zustand erleben möchte.

Schöner Typo oder Wenn’s nur so einfach wäre

April 23rd, 2018

Vorhin schreibt mir wer: “Als ich den Link ausprobiert habe vor ein paar Tagen, ging’s nicht. Jetzt kann ich mich aber anmelden, nur komme ich heute nicht mehr dazu mich durchzublicken.”

Herr Professor Freud, übernehmen Sie?

Heimatpflege

April 23rd, 2018

Sehr geehrter Herr Dr. Söder,

ich wende mich heute vertrauensvoll mit der Bitte an Sie, alles zu tun, damit die Brückenbauarbeiten in Dorfen zügig abgeschlossen werden. Mir ist die Sperrung der B15 wurscht, der Stau, das Nadelöhr, alles wurscht. Aber wenn ich noch einmal auf einer hochoffiziellen Tafel lesen muß, dass alle Geschäfte “während der Baustelle” geöffnet haben, dann muß ich schbeiben. Bayerisch hin oder her, aber irgendwer hätte sich doch an seinen Deutschunterricht erinnern können und dass es, wenn schon, “während der Bauarbeiten” hätte heißen müssen. Zefix.

Mach was, Maggus!

Gut gemeint

April 22nd, 2018

Plant a box

Bevor man seine Kunden zu Earth Day-kompatiblen Einkäufen animiert, sollte sich die hauseigene IT vielleicht erst darum kümmern, ob denn bei den Empfängern das Sonderzeichen auch richtig aufgelöst wird. Wenn das bei allen so ankam wie bei mir, werden jetzt wohl ein paar Brachhektar mit Schachteln aufgeforstet.

Yellow Mellow

April 22nd, 2018

Wie die wahrscheinlich die meisten Menschen, hing ich bis dato dem Irrglauben an, die Farbe des Frühlings sei Grün. Stimmt gar nicht.

Bei meiner heutigen Fahrt “aufi” zurück aus dem Niederbayerischen bin ich in Gelb geradezu ersoffen. Rechts und links der Straße strahlen ausgedehnte Rapsfelder, auf den Flächen ohne Krautvernichtungsmittel stehen Sonnenblumenarmeen stramm, die ihre Köpfe ganz gerade nach der Namenspatronin ausrichten, auf den Rainen wuchern Leberblumenhellgespinste und immer wieder wirble ich im Vorbeifahren die Puderteppiche der Linden auf. In den Vorgärten prangen Forsi… Fosy…, Forsythien (wer es schafft, das auf Anhieb richtig schreiben, bekommt von mir eine gelbe Blume), Goldregen, Narzissen und Nachosterglocken um die Wette; die Radlertrikots der Saison sind Gelbschwarz (mit einzelnen Vorjahresmodellen aus Magenta dazwischen) und lassen die behelmten Hartwadler noch mehr wie ganz besonders bösartige Hornissen aussehen. Übrigens, wenn man ganz genau hinsieht, ist das junge Laub an Bäumen und Büschen eher gelb. Ein eher grünstichiges Gelb von mir aus, aber ein Gelb.

So, falls also wer nach der Farbe des Frühligs fragt, wißt ihr die Antwort und könnt auf Nachfrage herleiten.