¥Eviva España!

Neben vielen anderen Dingen ist an Spanien sehr hoch zu loben, dass es zu heißem Kaffee ganz selbstverstĂ€ndlich leche caliente gibt, und nicht irgendein kaltes Milchprodukt, das den Kaffee auf mittellauwarm herunterkĂŒhlt.

Daran, deutsche Gastronomie, wollen wir uns einmal ein Beispiel nehmen, ja?

Es war…

…schon eine ausgesprochen gute Idee, morgen und ĂŒbermorgen noch frei zu nehmen und den Urlaub sehr behutsam ausklingen zu lassen. Ich könnte mich zwar schon mit meinen 300+ e-mails befassen, ich kann aber auch bis Mittwoch warten, wenn es noch mehr geworden sind und es dann langsam angehen lassen…

Gelesen: Uwe Neumahr – “Das Schloss der Schriftsteller – NĂŒrnberg ’46 Treffen am Abgrund”

Die Ferien gehen wahrhaft zu Ende – dieses Buch hat mich seit dem ersten Tag an begleitet und ich bin Herrn Neumahr sehr dankbar fĂŒr seine Fleißarbeit. Er hat Zeugnisse, Biographien, Artikel, Anekdoten, Massen an Material gesichtet, um ĂŒber die Schriftsteller, Journalisten, Autoren zu berichten, die seinerzeit am ersten großen Kriegsverbrecherprozess in NĂŒrnberg teilnahmen.

Wie schreiben, angesichts der MonstrositĂ€t der Verbrechen? Jeder und jede findet fĂŒr sich andere Lösungen, ob John Dos Passos, Golo oder Erika Mann, Martha Gellhorn, Willy Brandt, Erich KĂ€stner… die Liste ist noch sehr viel lĂ€nger und das Buch ausgesprochen lesenswert.

Lesen! Lesen! Lesen!

Gelesen: Yoko Ogawa – “Insel der verlorenen Erinnung”

Der Titel sagt es schon: auf einer Insel verschwinden Dinge. Schiffe (was auf einer Insel wirklich problematisch ist) und HĂŒte, Vögel, Rosen. Und die Insulaner vergessen, dass es diese Sachen je gab. Bis auf einige wenige Ausnahmen, die sich erinnern können. Die werden von der “Erinnerungspolizei” gejagt und verschwinden ihrerseits. So die Mutter der Heldin, ihre ehemaligen Nachbarn, andere.

Mir hat das Buch nicht gefallen. Es mĂ€andert zwischen Poesie und BanalitĂ€t und wie schon bei anderen BĂŒchern japanischer Autor*innen tue ich mich sehr schwer damit, mich den Figuren anzunĂ€hern. Die Heldin, eine Romanautorin, und auch die Hauptfigur ihres Romans sind ganz furchtbar devote Frauen, deren GefĂŒhlswelt sich mir partout nicht erschließt. Ich hĂ€tte, schreibt der Kritiker der FAZ hier “ein unwiderstehliches PlĂ€doyer fĂŒr die subversive Kraft der Literatur” lesen sollen.

Hab ich nicht.

Oase

Ich liebe es ja immer, in StĂ€dten die Orte zu finden, in die ihr StadtlĂ€rm nur noch ganz gedĂ€mmt dringt, ein Windchen in den BlĂ€ttern sĂ€uselt, Vögelein in einem olympiabeckengroßen Vogelbad mit winzigen PlĂ€tscherfontĂ€nchen ihren Waschungen nachkommen, zwischen OrangenbĂ€umchen die Jacaranden ĂŒberquellen, und sonnengegilbte AkazienblĂ€ttchen mit dicken Spinnenweben Ballett tanzen.

Klingt arg spezifisch? Ist es auch. Wer’s finden mag: es handelt sich um den zweiten Innenhof des MuseumscafĂ©s des Museo Picasso Malaga.

Wer besonderes GlĂŒck hat, trifft vielleicht auch auf den Herrn, der erst seinen Expresso mehrfach fotografiert, dann aus einer “I’m 20”-TĂŒte ein blaugeringeltes T-Shirt entnimmt, sein rotgeringeltes aus- und dieses funkelnagelneue anzieht, das alte sorgfĂ€ltig in der TĂŒte verstaut und dann glĂŒcksverklĂ€rt von dannen schreitet.

Seeing Sights

1 Museum. 1 Geburtshaus (jeweils Picasso). 2,5 Kirchen (eine nur von außen), dabei kurz der Reconquista, Ihrer arg katholischen MajestĂ€ten Ferdinand und Schöne Isabella von Kastilien und der armen Moros gedacht. 1 Altstadt, so dermaßen voller Touristen und LĂ€den mit bunten Dingen, die der Mensch nicht braucht.

Malaga möge sich angemessen besichtigt fĂŒhlen – ich muss mir gut ĂŒberlegen, ob ich morgen lieber einen letzten Strandtag oder noch einen Stadttag einlege. Sie hĂ€tten da noch eine unbesichtigte Festung.

Aber: Morgen ist schon mein letzter Tag.

Duschen

Auf dem Berg mußten wir uns erst einmal abstimmen, wer heute dran ist. Dann kletterte man in der Garage im hintersten Winkel auf die Leiter, um den an der Decke angebrachten Schalter fĂŒr die Pumpe zu betĂ€tigen. Anschließend ein bißchen warten und die Zeit nutzen, die schweren OlivenbehĂ€lter aus der Duschkabine zu rĂ€umen, wo sie wegen ihrer zwei Mal tĂ€glichen SpĂŒlung aktuell wohnen. Schließlich noch flugs den KĂŒhlschrank abstellen und dann gabs fĂŒr ca. drei bis vier Minuten warmes Wasser. Kein Spaß bei Langhaarfrisuren. Danach alles, was aus- oder angeschaltet bzw. verbracht wurde, wieder in den Originalzustand versetzen.

Hier im Hotel isses langweilig. Man geht ins Bad und dreht das Wasser auf. Fertig.

El Sombrero Barbie

Manchmal hat man ja so Vorahnungen. Wie zum Beispiel die, dass man sich am besten auf den Strohhut setzt, damit der Wind ihn nicht fortblÀst und parallel dazu die, dass das die beste Methode ist, ihn nachher auf dem Stuhl in der Eisdiele zu vergessen.

Beide eingetroffen. War mir dann vorhin doch ein bißchen peinlich, als ich nach meinem liegengelassenen HĂŒtchen fragte und die Kellnerin mir breit grinsend meinen “Sombrero Barbie” in die Hand drĂŒckte. Soooo rosa ist der gar nicht.